SKILLモデル:AIを活用した学習にはどれくらいの導きが必要か?

Doppelskala des SKILL-Modells: Kompetenz der Person und nötige didaktische Lenkung mit den drei Stufen Eingebettet, Begleitet, Offen

Ob generative KI dem Lernen nützt oder schadet, hängt von der Passung ab: Wie viel Lenkung braucht diese Person bei dieser Aufgabe, damit sie mit der KI denkt, statt das Denken abzugeben? Das SKILL-Modell koppelt didaktische Lenkung an Kompetenz. Lenkung wird über drei Hebel beschrieben (Scaffolding, Leitplanken, Kontextualisierung) und kann vom Werkzeug wie von der Lehrkraft ausgehen; drei Stufen (Eingebettet, Begleitet, Offen) markieren Orientierungsmarken auf einem Kontinuum. Lehrkräfte können damit Werkzeuge auswählen und Einsatzformen planen, Entwicklerinnen und Entwickler können Lernanwendungen verorten, und für die Forschung formuliert das Modell eine prüfbare Grundannahme.

Grundidee: Je geringer die Kompetenz einer Person, KI in einer konkreten Lernsituation lernwirksam zu nutzen, desto mehr didaktische Lenkung braucht der Einsatz: durch Scaffolding, Leitplanken und Kontextualisierung im Werkzeug, durch die Begleitung der Lehrkraft oder durch beides. Mit wachsender Kompetenz wird vor allem die Lenkung zurückgenommen, die unabhängig vom Bearbeitungsstand greift, bis die Person die KI selbstgesteuert als Denkpartner nutzen kann. Gemeint ist dabei nicht Fachwissen allein: Die Fähigkeit, das eigene Verstehen einzuschätzen und den Zugriff auf die Lösung zurückzustellen, entwickelt sich langsamer und ist nicht allein fachgebunden; hohes Fachwissen in einer Sache legt eine höhere Stufe nahe, begründet sie aber nicht. Maßstab bleibt, ob die Person beim Einsatz selbst denkt; der Leitsatz des Modells lautet „Denken mit KI unterstützen, nicht ersetzen“.

Praktische Bedeutung: Wenn KI eingesetzt werden soll, ist zu klären, welche Stufe für wen bei welcher Aufgabe passt. Die drei Stufen Eingebettet, Begleitet, Offen, die vier Planungsfragen und die fünf Prüffragen des SKILL-Checks machen die Entscheidung konkret. SKILL benennt zweierlei: den Ordnungsrahmen insgesamt und, als Akronym der fünf Prüffragen, den SKILL-Check. Wo im Text „Stufe 1“ steht, ist immer die Stufe des Einsatzes gemeint, nie der Werkzeugtyp; Werkzeuge heißen eingebettet, teiloffen oder offen. Wer nur planen will, liest die vier Planungsfragen, den SKILL-Check und die Übersicht am Ende.

Geltungsbereich: Das Modell empfiehlt keinen KI-Einsatz. Es ordnet ihn, wenn er sinnvoll ist; ob er sinnvoll ist, klärt der Abschnitt Vorfrage. Häufig ist der Verzicht die bessere Wahl, gerade dort, wo Grundlagen entstehen.

Passung von Kompetenz und Lenkung: Doppelskala mit Vorfrage und Teilkompetenzen Passung von Kompetenz und Lenkung Je geringer die Kompetenz der Person, desto mehr Lenkung braucht der KI-Einsatz. Mit wachsender Kompetenz wird sie zurückgenommen. Vorfrage: Leistet KI hier etwas, das Material, Gespräch und eigenes Probieren nicht leisten? Wenn nein: kein KI-Einsatz. Kompetenz der Person gering → hoch Nötige didaktische Lenkung hoch → niedrig レベル1・組み込みWerkzeug eingebettet · Begleitung normal Stufe 2 · BegleitetWerkzeug teiloffen · Begleitung mittel Stufe 3 · OffenWerkzeug offen · Begleitung gering Orientierungsmarken auf einem Kontinuum · Übergänge fließend · gegenstandsgebunden: dieselbe Person kann je Fach anders stehen VIER TEILKOMPETENZEN その分野における専門知識Antworten fachlich beurteilen, plausible Fehler erkennen 重要なAI能力Grenzen, erfundene Angaben und gefällige Antworten prüfen 自己制御Planen, überwachen, bewerten; Lösung zurückstellen; Hilfe dosiert holen Sprachliche und kognitive VoraussetzungenFragen formulieren, längere Antworten lesen und verarbeiten ZWEI QUELLEN DER LENKUNG Lenkung im Werkzeug Scaffolding: gestufte Hilfe, die zurückgenommen wird Leitplanken: was die KI nicht tut, z. B. keine Lösung vorab Kontextualisierung: Aufgabe, Fachkontext, Rolle hinterlegt Begleitung durch die Lehrkraft Vorbereiten: Aufgabe, Auftrag und Rolle der KI festlegen Begleiten: im Gespräch bleiben, eingreifen, Stichproben Nachbereiten: ohne KI erklären und prüfen lassen Werkzeug und Lehrkraft teilen sich die Lenkung; nur begrenzt gegeneinander aufrechenbar entwickeln sich ungleichmäßig; die schwächste bestimmt die Stufe Zu wenig Lenkung KI wird zur Abkürzung: Leistung steigt, Lernen bleibt aus Zu viel nicht-kontingente Lenkung Struktur bremst Fortgeschrittene: Expertise-Umkehr-Effekt
Passung als Doppelskala: Die Kompetenz der Person bestimmt, wie viel didaktische Lenkung nötig ist; die Stufen sind Orientierungsmarken auf diesem Kontinuum. Werkzeug und Lehrkraft teilen sich die Lenkung. Zu wenig Lenkung macht die KI zur Abkürzung. Zu viel bremst Fortgeschrittene, allerdings nur, wenn die Lenkung unabhängig vom Bearbeitungsstand greift; kontingentes Scaffolding kann das nicht.

Methode. Der Beitrag ist ein theoretischer Konzeptartikel. Das Modell wurde in einer narrativen, nicht systematischen Synthese entwickelt und an Erfahrungen aus der Entwicklung mathematikdidaktischer Lernanwendungen rückgebunden. Die Literatur wurde bis September 2026 über wissenschaftliche Suchdienste und Rückwärtsrecherche in den Referenzlisten zentraler Arbeiten zusammengetragen. Aufgenommen wurden Metaanalysen und experimentelle Studien zu instruktionaler Lenkung und Scaffolding, experimentelle und quasi-experimentelle Studien zu generativer KI mit einem Lernmaß ohne verfügbare KI, entwicklungspsychologische Arbeiten zu Monitoring und Quellenbewertung sowie einschlägige Rahmenpapiere. Preprints sind als solche gekennzeichnet und entsprechend gewichtet. Es handelt sich um eine gezielte, nicht um eine erschöpfende Auswahl; das Modell ist empirisch nicht geprüft.

Interessenkonflikt. Der Autor ist Wissenschaftler und entwickelt nebenberuflich mathematikdidaktische Lern-Apps; in diesem Rahmen erprobt er im Projekt PRIMA-KI, ob und wie sich KI sinnvoll in Grundschul-Apps einbetten lässt. Das Modell bewertet eingebettete Werkzeuge in Teilen günstiger als offene Chatbots; diese Nähe zwischen Argumentation und eigener Entwicklungstätigkeit wird hier offengelegt. Es bestehen keine finanziellen Beziehungen zu Anbietern von KI-Systemen, und aus dem KI-Einsatz erzielt der Autor keine Einnahmen.

KI-Einsatz. Bei Recherche und Redaktion kamen KI-Werkzeuge zum Einsatz; Auswahl, Prüfung der Quellen und Verantwortung für den Inhalt liegen beim Autor.

Empirische Ausgangslage

Ein Feldexperiment an einer großen Schule in der Türkei mit knapp tausend Schülerinnen und Schülern der Klassen 9 bis 11 macht das Problem deutlich (Bastani et al., 2025). Klassen wurden per Zufall einer von drei Bedingungen zugeteilt und übten in vier 90-minütigen Sitzungen, die etwa 15 Prozent des im Halbjahr behandelten Mathematikstoffs abdeckten. Wer dabei eine Chatbot-Oberfläche ohne didaktische Einschränkungen nutzen durfte (Bedingung „GPT Base“), schnitt in der Übungsphase um 48 Prozent besser ab als die Kontrollgruppe (bezogen auf deren Leistungsniveau, nicht in Prozentpunkten). In der anschließenden Prüfung ohne KI schnitt dieselbe Gruppe um 17 Prozent schlechter ab als die Kontrollgruppe. Eine zweite Variante desselben Sprachmodells, die mit von Lehrkräften gestalteten gestuften Hinweisen und einer Sperre für Endergebnisse arbeitete, lag in der Übungsphase noch deutlicher über der Kontrollgruppe (etwa 127 Prozent), erreichte in der Prüfung ohne KI aber nur deren Niveau. Beide KI-Gruppen arbeiteten mit demselben Sprachmodell; unterschiedlich war das Antwortverhalten. Das Bündel aus gestuften Hinweisen und gesperrtem Endergebnis verhinderte den Einbruch; welcher Bestandteil dafür ausschlaggebend war, trennt das Design nicht, und die Autorinnen und Autoren verweisen zusätzlich auf unterschiedliche Gelegenheiten zur Ergebniskontrolle. Einen Lernvorteil gegenüber dem Üben ohne KI belegt die Studie nicht.

Der Befund steht nicht allein. Lehmann et al. (2025) finden in zwei präregistrierten Laborexperimenten keinen Gesamteffekt von Sprachmodellen auf das Lernergebnis. In explorativen Analysen und einer begleitenden Felderhebung hängt die Wirkung davon ab, wie genutzt wird: Wer die KI Lernaktivitäten abnehmen lässt, bearbeitet mehr Themen und versteht das einzelne Thema schlechter; wer sie ergänzend als Tutor nutzt, versteht besser. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt vom Vorwissen ab; in der Sprache der Forschung moderiert das Vorwissen den Zusammenhang. Die Arbeit ist ein Preprint, die Befunde zur Moderation sind explorativ.

Ähnlich beim Schreiben. Fan et al. (2025) verglichen bei 117 Studierenden das Schreiben mit ChatGPT, mit einer menschlichen Fachperson, mit einer aus Schreibanalytik abgeleiteten Checkliste und ohne Unterstützung. Die ChatGPT-Gruppe verbesserte ihre Texte am stärksten, unterschied sich im Wissenszuwachs und im Transfer aber nicht von den anderen Gruppen; Häufigkeit und Abfolge ihrer selbstregulativen Prozesse verschoben sich deutlich. Die Autorinnen und Autoren sprechen von metakognitiver Trägheit.

Metaanalytisch fällt die Bilanz zunächst positiv aus. Deng et al. (2025) berichten auf Basis von 69 identifizierten und 62 metaanalytisch ausgewerteten Artikeln mit experimentellem oder quasi-experimentellem Design positive Effekte von ChatGPT auf die Lernleistung, auf affektiv-motivationale Zustände und auf Denkfähigkeiten höherer Ordnung, einen verringerten mentalen Aufwand und keinen Effekt auf die Selbstwirksamkeit; zugleich weisen sie auf kurze Interventionsdauern, seltene verzögerte Nachtests und methodische Schwächen der Primärstudien hin. Der verringerte Aufwand ist zweideutig: Er kann Entlastung bedeuten oder das Ausbleiben der Anstrengung, die dauerhaftes Behalten erst ermöglicht. Weidlich et al. (2025) zeigen darüber hinaus, dass in dieser Literatur der Beitrag der Technologie regelmäßig mit dem Beitrag der zusätzlich eingeführten Instruktionsmethode vermischt ist, sodass Sammeleffekte nur begrenzt interpretierbar sind. Die nach Zahl der Effektstärken derzeit umfangreichste Metaanalyse findet auf Basis von 68 Studien und 337 Effektstärken einen mittleren Gesamteffekt (SMD = 0,45) bei sehr hoher Heterogenität; stärkere Effekte zeigen sich in kurzen Interventionen mit kleineren Stichproben (Han et al., 2025), das übliche Muster einer Verzerrung durch kleine Studien.

Wo verzögert gemessen wird, kippt das Bild. Barcaui (2025) ließ 120 Studierende ein Thema mit freiem ChatGPT-Zugang oder herkömmlich erarbeiten und prüfte 45 Tage später unangekündigt; in die Auswertung gingen 85 Personen ein. Die ChatGPT-Gruppe erreichte 57,5 Prozent richtige Antworten gegenüber 68,5 Prozent in der Vergleichsgruppe (d = 0,68). Effektstärken gelten nach der geläufigen Konvention ab etwa 0,2 als klein, ab 0,5 als mittel und ab 0,8 als groß (Cohen, 1988); für randomisierte Feldstudien im Bildungsbereich sind diese Schwellen zu streng (Kraft, 2020).

Umgekehrt berichten Kestin et al. (2025) aus einem randomisierten Crossover-Experiment, an dem von 233 Kursteilnehmenden 194 Physikstudierende einer selektiven Universität teilnahmen, für einen gezielt nach Lehr-Lern-Prinzipien gestalteten KI-Tutor höhere Lernzuwächse in kürzerer Zeit als für aktivierenden Präsenzunterricht. Der Tutor gab gestufte Hinweise und keine fertigen Lösungen; getestet wurde jeweils unmittelbar nach der Sitzung, ein verzögerter Behaltenstest fehlt. Die KI-Bedingung fand zu Hause und im selbst gewählten Tempo statt, die Vergleichsbedingung im Präsenzunterricht; Lernumgebung, Tempokontrolle und Medium variieren mit, sodass der Effekt nicht allein dem Tutordesign zuzurechnen ist.

Für die Zuordnung zu einer Stufe gibt die Studie von Kestin et al. wenig her. Ein themenbezogener Vortest wurde erhoben, geht aber nur in die Berechnung der Lernzuwächse ein und wird nicht als Moderator berichtet; da das Thema für alle neu war, liegen die Werte nahe am Boden. Maße, die sich als Stufenindikator im Sinne dieses Modells nutzen ließen, werden nicht berichtet, weder ein aussagekräftiges Vorwissensmaß noch Selbstregulation oder kritische KI-Kompetenz. Institution und Studienfach taugen dafür nicht: Sie sind bereichsübergreifende Stellvertreter, während das Modell die Kompetenz gegenstandsgebunden bestimmt, und im neu zu erarbeitenden Physikthema war das Fachwissen der Teilnehmenden gering. Der Befund ist mit dem Modell vereinbar, prüft es aber nicht; ob Lenkung Fortgeschrittenen in der Sache schadet, bleibt hier offen. Nach der Instruktionsforschung bremst Lenkung dann, wenn sie unabhängig vom Bearbeitungsstand ausgelöst wird, vorhandenes Wissen redundant wiederholt oder eigene Strategien überschreibt; gestufte Hilfe auf Anforderung fällt nicht darunter.

Zu unterscheiden ist die Menge der Lenkung von ihrer Kontingenz, also davon, ob sie auf den aktuellen Stand der Person reagiert. Damit diese Unterscheidung die Grundannahme nicht gegen Widerlegung abschirmt, wird sie im Abschnitt „Grenzen und offene Fragen“ vorab operationalisiert. Ob ein KI-Einsatz nützt, entscheidet sich an der Gestaltung des Werkzeugs, an der Person, die es nutzt, und daran, was gemessen wird.

Die bildungspolitische Diskussion hat diesen Punkt aufgenommen. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK, 2024) empfiehlt für die Grundschule und den Beginn der Sekundarstufe I weitgehende Zurückhaltung gegenüber offenen Sprachmodellen und eine Konzentration auf die basalen Kompetenzen; die Bildungsministerkonferenz (2024) betont die pädagogische Rahmung jeder KI-Nutzung. Das SKILL-Modell nimmt diese Empfehlungen auf und begründet sie über Kompetenz statt über das Alter. Die Empfehlungen selbst bleiben altersbezogen; die zugrunde liegende Logik ist es nicht. Sie greift überall dort, wo die Voraussetzungen für eine lernwirksame KI-Nutzung erst entstehen, also auch bei Erwachsenen in einem für sie neuen Fachgebiet. Das Alter behält daneben eigenes Gewicht, wie der Abschnitt zu den theoretischen Grundlagen zeigt.

Unterscheidung von Leistung und Lernen

Lernende können mit KI besser abschneiden und trotzdem weniger lernen. Yan et al. (2025) trennen dafür zwei Größen, die im Alltag leicht verschmelzen: die Leistung während der Nutzung und das, was ohne das Werkzeug bleibt. Lernen zeigt sich erst im zweiten Fall. Salomon et al. (1991) haben dafür früh die Unterscheidung zwischen Effekten mit einer Technologie und Effekten der Technologie vorgeschlagen: Was die Leistung im Zusammenspiel hebt, muss nicht als Fähigkeit zurückbleiben. Die Unterscheidung ist in der Lernpsychologie alt. Bjork und Bjork (2011) sprechen von wünschenswerten Erschwernissen: Bedingungen, die die aktuelle Leistung senken, aber das dauerhafte Behalten und die Übertragung auf neue Aufgaben (Transfer) erhöhen, weil sie eigene Abrufversuche, Fehler und Umwege erzwingen. Kapur (2016) systematisiert die Befundlage zum produktiven Scheitern und argumentiert, dass ein zunächst erfolgloses eigenes Ringen mit einer Aufgabe das spätere Verstehen fördert, sofern es anschließend im Unterricht aufgegriffen wird. Diese Phase überspringt eine KI, die auf Anfrage die Lösung liefert.

Das Auslagern kognitiver Arbeit ist dabei an sich nichts Neues; Menschen nutzen Notizen, Taschenrechner und Suchmaschinen, um ihr Arbeitsgedächtnis zu entlasten (Risko & Gilbert, 2016). Auch Kinder verfügen ab etwa vier Jahren über solche Strategien und setzen sie bei steigender Aufgabenschwierigkeit vermehrt ein; sie tun dies jedoch weniger selektiv und weniger selbstinitiiert als Erwachsene und lagern teils zu viel, teils zu wenig aus (Armitage & Gilbert, 2025). Problematisch wird es, wenn das Ausgelagerte selbst das Lernziel ist. Eine KI, die den Lösungsweg schreibt, entlastet vom Lernen selbst.

Hinzu kommt ein zweiter Mechanismus: Flüssig formulierte Erklärungen erzeugen ein Gefühl von Verstehen, das mit dem tatsächlichen Können wenig zu tun haben muss. Rozenblit und Keil (2002) zeigen an erwachsenen Stichproben eine Illusion der Erklärungstiefe: Menschen halten ihr Verständnis für vollständiger, als es der Versuch offenlegt, den Zusammenhang selbst auszuformulieren. Die Illusion ist spezifisch für Erklärungswissen und fällt für Fakten, Prozeduren und Erzählungen schwächer aus. Beide Mechanismen bilden eine Kette: flüssige Erklärung, Gefühl des Verstehens, ausbleibende eigene Anstrengung, schwächere Leistung ohne KI.

Für einen Zwischenschritt dieser Kette liegt Evidenz vor: Fisher et al. (2015) zeigen in neun Experimenten, dass bereits das Nachschlagen einer Erklärung im Internet die Einschätzung des eigenen Wissens erhöht; Zugang zu Information wird mit eigenem Verstehen verwechselt, auch dann noch, wenn die Quelle nicht mehr verfügbar ist. Offen ist weniger der Mechanismus als seine Reichweite: ob eine dialogisch erzeugte, auf die eigene Frage zugeschnittene KI-Erklärung stärker wirkt als ein Suchergebnis und ob sich der Effekt bei Kindern zeigt, deren Selbsteinschätzung ohnehin überoptimistisch ist. Belegt ist der Endpunkt der Kette, schwächere Leistung ohne KI (Bastani et al., 2025) und verschobene Selbstregulation ohne Wissenszuwachs (Fan et al., 2025).

Erste neurophysiologische Befunde deuten in dieselbe Richtung: Beim Schreiben mit einem Sprachmodell war die Gehirnaktivität schwächer vernetzt, und die Teilnehmenden konnten kurz danach eigene Sätze nicht korrekt wiedergeben und berichteten die geringste Autorschaft an ihrem Text (Kosmyna et al., 2025). Die Arbeit ist ein nicht begutachteter Preprint mit 54 erwachsenen Teilnehmenden; eine methodische Erwiderung kritisiert Stichprobengröße, EEG-Auswertung und Reproduzierbarkeit (Stanković et al., 2026). Die EEG-Maße erlauben keine Aussage über Lernergebnisse; der Befund ist als Hinweis zu lesen, nicht als Beleg.

KI als Abkürzung überspringt den Lösungsprozess, KI als Denkpartner begleitet ihn. タスク 解決プロセス Lösung Hier findet das Lernen statt: probieren, irren, prüfen, begründen KI als Abkürzung Leistung steigt, Lernen bleibt aus KI als Denkpartner fragt, gibt gestufte Hinweise, lässt Fehler zu
Als Abkürzung liefert die KI das Ergebnis und überspringt den Lösungsprozess. Als Denkpartner begleitet sie ihn mit Fragen, gestuften Hinweisen und Raum für Fehler.

Kompetenz als Bezugsgröße: theoretische Grundlagen

Das SKILL-Modell richtet den Grad der Lenkung an der Kompetenz aus, KI in einer konkreten Sache lernwirksam zu nutzen, und nicht am Alter oder an der Klassenstufe.

Die erste Wurzel dieser Entscheidung ist das Scaffolding. Vygotsky (1978) beschreibt Lernen als Bewegung durch die Zone der nächsten Entwicklung: Was ein Kind heute mit Unterstützung kann, kann es morgen allein. Wood et al. (1976) haben daraus das Bild des Gerüsts entwickelt, das nur so lange steht, wie es gebraucht wird. Van de Pol et al. (2010) nennen drei Merkmale, die ein Gerüst von bloßer Hilfe unterscheiden: Es ist kontingent, reagiert also auf den aktuellen Stand; es wird zurückgenommen (Fading); und es überträgt Verantwortung an die Lernenden.

In der Unterrichtsforschung ist dies als „gradual release of responsibility“ bekannt (Pearson & Gallagher, 1983): Verantwortung wandert schrittweise von der Lehrkraft zu den Lernenden. Rowe (2026) hat dieses Prinzip mit dem GRAIT-Modell auf KI übertragen und unterscheidet die schrittweise Freigabe kognitiver Verantwortung von der schrittweisen Freigabe der Technik, gestaffelt nach erreichten Lernmeilensteinen.

Für das schrittweise Zurücknehmen von Hilfe liefern Renkl und Atkinson (2003) die klassische empirische Grundlage: Der Übergang vom ausgearbeiteten Beispiel zum eigenen Lösen gelingt am besten, wenn Lösungsschritte nach und nach ausgeblendet werden. Für computergestütztes Scaffolding in den MINT-Fächern belegt die Metaanalyse von Belland et al. (2017) auf Basis von 144 Studien einen mittleren Effekt (g = 0,46). Eine Größenordnung für gestufte Hilfe insgesamt liefert VanLehn (2011): Tutorsysteme mit schrittweiser Hilfe erreichen gegenüber keiner Tutorierung etwa d = 0,76, menschliche Tutorierung etwa d = 0,79; die lange kolportierte Überlegenheit menschlicher Tutorierung um zwei Standardabweichungen bestätigt sich nicht.

Zweitens das Zusammenspiel von Vorwissen und Lenkung. Kirschner et al. (2006) fassen in einer viel diskutierten Bestandsaufnahme die Befunde zusammen, nach denen Anfängerinnen und Anfänger von minimal gelenktem Lernen selten profitieren; die Erwiderung von Hmelo-Silver et al. (2007) hält dem entgegen, dass problem- und forschungsbasierte Ansätze in der Regel selbst stark gerüstet sind und die Gleichsetzung mit unangeleitetem Entdecken deshalb nicht haltbar ist. Die Metaanalyse von Lazonder und Harmsen (2016) stützt diese Einschätzung: Über 72 Studien zum forschenden Lernen hinweg wirkt Lenkung mittel auf die Lernergebnisse (d = 0,50) und mittel bis stark auf Lernaktivitäten (d = 0,66) und Aufgabenerfolg (d = 0,71). Zu Altersunterschieden kommen Lazonder und Harmsen zu keinem konsistenten Befund und halten die Zahl der Studien ausdrücklich für zu gering, um sie abschließend zu beurteilen. Für das SKILL-Modell folgt daraus nicht, dass Alter irrelevant wäre, sondern dass es ein grober Stellvertreter für den Stand der Kompetenzen ist.

Zugleich gilt die Umkehrung, in der Lehr-Lern-Forschung als Expertise-Umkehr-Effekt bekannt: Eine enge Lenkung, die Anfängerinnen und Anfängern hilft, behindert Fortgeschrittene, weil die dargebotene Struktur mit dem Wissen konkurriert, das die Lernenden bereits geordnet abgespeichert haben, und Arbeitsgedächtnis bindet (Kalyuga et al., 2003; Kalyuga, 2007; Sweller et al., 2019). Für Tutorsysteme haben Koedinger und Aleven (2007) dieses Spannungsfeld als „assistance dilemma“ beschrieben: Wann ist es lernförderlicher, Informationen zu geben, und wann, sie zurückzuhalten, damit die Lernenden sie selbst hervorbringen? Beides kann schaden. Zu frühe Hilfe verhindert die Eigenkonstruktion, ausbleibende Hilfe lässt Lernende in unproduktiven Sackgassen stecken. Der Ort des Optimums verschiebt sich mit der Kompetenz. Diese Verschiebung ist die Grundbewegung des SKILL-Spektrums: Mit wachsender Kompetenz sinkt die nötige Lenkung.

Drittens die Entwicklung von Metakognition und epistemischer Wachsamkeit. Ob jemand eine KI als Denkpartner nutzen kann, setzt voraus, das eigene Verstehen einschätzen und fremde Aussagen prüfen zu können. Beides entwickelt sich über Jahre. Zu unterscheiden sind das Einschätzen des eigenen Verstehens (Monitoring) und die daran anschließende Steuerung des eigenen Vorgehens (Kontrolle). Das Monitoring kann vorausschauend erfolgen, vor der Bearbeitung, oder rückblickend, nach ihr (Nelson & Narens, 1990); beide entwickeln sich unterschiedlich schnell. Innerhalb des Monitorings unterscheidet Schraw (2009) fünf Gütemaße; zwei davon sind hier zentral. Die absolute Genauigkeit samt ihrer Verzerrung, im Folgenden kurz Kalibrierung, beschreibt, ob die Einschätzung im Mittel zutrifft; die Diskrimination beschreibt, ob eine Person zwischen eigenen richtigen und falschen Antworten unterscheidet. Kinder im frühen Grundschulalter überschätzen sich deutlich und unterscheiden gleichwohl über dem Zufall zwischen richtigen und falschen Antworten (Kolloff et al., 2023). Für das Modell folgt daraus, dass die Lenkung auf Stufe 1 weniger die Urteilsfähigkeit im Einzelfall ersetzen muss als die globale Entscheidung, wie viel Aufwand eine Aufgabe noch verlangt.

Destan und Roebers (2015) teilten 93 Sechsjährige nach der Genauigkeit ihrer Gesamteinschätzung in Kinder, die sich unterschätzten, realistisch einschätzten oder überschätzten: Wer sich unterschätzte, unterschied in den Konfidenzurteilen deutlich besser zwischen richtigen und falschen Antworten als Kinder, die sich überschätzten; die Gruppen unterschieden sich auch in nachgelagerten Kontrollprozessen; ein Zusammenhang der globalen Einschätzungsgenauigkeit mit den erhobenen exekutiven Funktionen (kognitive Flexibilität, Inhibition, Arbeitsgedächtnis) zeigte sich dagegen nicht. Die Studie ist querschnittlich angelegt und zeigt Zusammenhänge, keine Wirkrichtung; die Annahme des Modells, dass Selbsteinschätzung und Impulskontrolle gemeinsam die Stufe bestimmen, findet in ihr auf der Ebene individueller Unterschiede keine Stütze.

Eine quer- und längsschnittliche Studie mit 305 Kindern, die als 7/8- und 9/10-Jährige und ein Jahr später erneut untersucht wurden, zeigt, dass sich sowohl die rückblickende Einschätzung der eigenen Arbeit als auch die daran anschließende Kontrolle über dieses Jahr verbessern, die vorausschauenden Pendants dagegen nicht; die Kontrolle blieb auch dort suboptimal, wo sie sich verbesserte, nach Deutung der Autorinnen und Autoren als Folge eines weiterhin überoptimistischen Monitorings. Den Zugewinn der rückblickenden Kontrolle führen sie auf Aufgabenvertrautheit zurück, die Verbesserung des rückblickenden Monitorings auf Entwicklung, gestützt auf den Vergleich mit einer eigenen Querschnittsstichprobe von 144 Kindern und entsprechend vorläufig (Bayard et al., 2021). Kinder erkennen also eher, wie gut sie eine Aufgabe gelöst haben, als sie vorher einschätzen können, wie schwer sie wird; über das Grundschulalter hinaus lässt sich aus dieser Studie nichts ableiten.

Für die anschließende Entwicklung liegt Evidenz aus dem Jugendalter vor: Weil et al. (2013) trennten bei 56 Personen zwischen 11 und 41 Jahren die Aufgabenleistung von der metakognitiven Genauigkeit und fanden bei konstant gehaltener Leistung einen Anstieg der Genauigkeit innerhalb der Adoleszenz; sie beschreiben den Verlauf als höchsten Stand im späten Jugendalter mit anschließendem Plateau. Der Alterseffekt beruht auf einer einzigen Korrelation in der Jugendgruppe (r = .38, n = 28), die Stichprobe ist klein und querschnittlich, enthält zwischen 17 und 19 Jahren niemanden, die Erwachsenen erreichten im Mittel sogar niedrigere Werte als die Jugendlichen, und die Aufgabe ist eine Wahrnehmungsaufgabe ohne Fachbezug. Der Befund ist deshalb ein Hinweis auf eine über das Grundschulalter hinausreichende Entwicklung, keine belastbare Verlaufskurve.

Roebers (2017) ordnet Monitoring und exekutive Funktionen, also Planen, Aufmerksamkeitskontrolle und Impulshemmung, einem gemeinsamen Rahmen kognitiver Selbstregulation zu; sie arbeitet Gemeinsamkeiten wie verbleibende Unterschiede beider Forschungstraditionen heraus und schlägt die Integration als Rahmen vor, nicht als belegte Identität. Roebers selbst nimmt an, dass exekutive Funktionen der metakognitiven Kontrolle früh vorausgehen und für sie notwendig, aber nicht hinreichend sind; sie hält die empirische Grundlage jedoch für dünn: Nur wenige Arbeiten prüfen die Verbindung auf latenter Ebene, es liegen Nullbefunde vor, und Intelligenz wurde bislang nicht kontrolliert. Die Wirkrichtung ist damit nicht entschieden.

Wer das eigene Verstehen ungenau einschätzt, kann kaum entscheiden, wann eine KI-Hilfe angemessen ist und wann sie das Lernen ersetzt. Für Tutorsysteme ist die entsprechende Fehlregulation dokumentiert: Lernende holen Hilfe zu früh, zu spät oder zu ausgiebig (Aleven et al., 2016).

Für KI-gestützte Systeme zeigen Darvishi et al. (2024) in einer achtwöchigen Untersuchung mit 1625 Studierenden zur Qualität von Peer-Rückmeldungen in der Hochschullehre, dass verfügbare KI-Hilfe die Selbstregulation untergräbt und die Leistung einbricht, sobald die Hilfe zurückgenommen wird; eine Checkliste zur Selbstbeobachtung, die anstelle der KI-Hinweise eingesetzt wurde, fing den Einbruch nur teilweise auf und blieb hinter der KI-Unterstützung zurück; die Kombination aus beidem war der KI allein nicht überlegen. Die Autorinnen und Autoren folgern, dass die Studierenden sich auf die KI verließen, statt von ihr zu lernen. Das macht die Forderung dringlicher, das vom Werkzeug übernommene Monitoring auf Stufe 1 im Unterricht zum Thema zu machen, zeigt aber auch, dass eine begleitende Checkliste dafür nicht genügt. Zielgröße war dort die Qualität von Rückmeldungen, nicht fachliches Lernen; für generative Tutoren im Unterricht steht die Prüfung aus.

Ähnliches gilt für das Prüfen von Informationen. Sperber et al. (2010) fassen unter epistemischer Wachsamkeit Mechanismen, die zwei Dinge prüfen: die Vertrauenswürdigkeit der Quelle, also ihre Kompetenz und ihr Wohlwollen, und die Plausibilität und Kohärenz des Inhalts. Über den ersten dieser beiden Mechanismen verfügen Kinder früh: Sie gewichten bisherige Zuverlässigkeit, Expertise und die Übereinstimmung mehrerer Auskunftspersonen; zugleich stellen Kinder bei unerwarteten Auskünften eigene Überzeugungen zurück und folgen Auskunftspersonen mitunter aus sozialen, nicht aus epistemischen Gründen (Harris et al., 2018). Zugleich ist die Prüfhaltung nicht der Regelfall: Kinder setzen ihre Prüffähigkeiten unregelmäßig und situationsabhängig ein und übernehmen Auskünfte kooperativer Erwachsener im Zweifel (Mills, 2013). Eine einflussreiche, an Säuglingsbefunden entwickelte Theorie deutet diese Bereitschaft als Anpassung an die Weitergabe verallgemeinerbaren Wissens (Csibra & Gergely, 2009); ihre Annahme, ostensive Hinweisreize wirkten spezifisch, hielt zumindest für das Blickfolgen sechs Monate alter Säuglinge einer Prüfung mit zusätzlichen, nicht-ostensiven Aufmerksamkeitsbedingungen nicht stand (Szufnarowska et al., 2014), und die Theorie ist auch konzeptuell bestritten (Heyes, 2016). Auch die inhaltliche Prüfung ist Kindern nicht fremd: Sie erkennen Unwissen, Inkompetenz und Täuschung und widersprechen auffällig unplausiblen Aussagen, doch entwickelt sich diese kritische Haltung langsam und bleibt stark davon abhängig, wie deutlich eine Unstimmigkeit hervortritt (Mills, 2013).

Diese Prüfmechanismen sind an menschlichen Quellen entstanden, und die Merkmale, an denen sie ansetzen, sind bei einem Sprachmodell nicht informativ; seine Fehler treten gerade nicht auffällig hervor, sondern sind in flüssige, gut geformte Sprache eingebettet. Ein Sprachmodell täuscht nicht absichtlich; seine Fehler entstehen ohne Motiv. Trainings- und Produktentscheidungen bringen aber systematische Neigungen in die Ausgabe. Die bekannteste ist die Tendenz, der fragenden Person zuzustimmen, über mehrere Systeme hinweg nachgewiesen und auf das Training an menschlichen Präferenzurteilen zurückzuführen (Sharma et al., 2024). Flüssigkeit, Freundlichkeit und Selbstsicherheit sind daher von der Richtigkeit des Inhalts entkoppelt, und die Ausgabe hat keine erkennbare Herkunft, an der sich Zuverlässigkeit ablesen ließe.

Eine bereichsabhängige Selektivität wenden Kinder auch auf technische Quellen an: In zwei Studien mit 4- bis 5-Jährigen und 7- bis 8-Jährigen vertrauten die Kinder einem Sprachassistenten bei Sachfragen mit steigendem Alter zunehmend, während sie bei persönlichen Auskünften über eine anwesende Person weiterhin den Menschen bevorzugten (Girouard-Hallam & Danovitch, 2022); die Stichprobe stammt aus überwiegend weißen US-Familien der oberen Mittelschicht, und geprüft wurde ein regelbasierter Sprachassistent, kein generatives Modell. Für das Modell ist die Richtung dieses Befundes wesentlich: Gerade in dem Bereich, in dem ein Sprachmodell plausibel klingende Fehler produziert, wächst das Vertrauen in die maschinelle Quelle mit dem Alter. Die Last liegt damit auf der inhaltlichen Prüfung, die Fachwissen voraussetzt. Erfahrung mit dem Werkzeug bringt diese Prüfkompetenz nicht von selbst mit: Nutzungsroutine und Verständnis der Funktionsweise fallen bei Kindern auseinander (Danovitch, 2019).

Diese Entwicklungsbefunde machen plausibel, warum jüngere Lernende in der Regel mehr Lenkung brauchen. Sie belegen es nicht: Anders als beim Vorwissen, für das die Expertise-Umkehr eine geprüfte Wechselwirkung von Personenmerkmal und Instruktionsform liefert, prüfen erst wenige Studien individuelle Unterschiede im Monitoring oder in der Selbstregulation als Moderator des Nutzens von Lenkung, und sie fallen überwiegend negativ aus: Herold und Seufert (2025) fanden bei 102 Studierenden eine Moderation durch das Vorwissen, und diese nur für das Verstehen, nicht für Behalten und Transfer, dagegen keine Moderation durch die metakognitive Kompetenz; Hofer und Reinhold (2025) fanden bei 332 Sechstklässlerinnen und Sechstklässlern Wechselwirkungen von Personenmerkmal und Scaffolding nur in einer der beiden untersuchten Schulformen. Beide Prüfungen stammen nicht aus dem Grundschulalter, für das das Modell die stärkste Lenkung vorsieht.

Näher an der Sache liegen erste Arbeiten zur Metakognition im Umgang mit generativer KI: Stadler et al. (2024) finden bei Studierenden gegenüber der Websuche geringere kognitive Belastung bei zugleich flacherer Argumentation; umgekehrt verbesserte in einem randomisierten Experiment eine KI-gestützte Rückmeldung, die ausdrücklich auf die Selbsteinschätzung zielte, die Kalibrierung gerade der zuvor überkonfidenten Lernenden (Lee et al., 2025). Ein Werkzeug kann Monitoring also auch trainieren statt ersetzen; das ist die prüfbare Alternative zur Annahme, die Übernahme des Monitorings auf Stufe 1 sei nur eine Entlastung auf Zeit. Die Übertragung auf Monitoring und Selbstregulation ist damit nicht nur ungeprüft, sondern von den vorliegenden Prüfungen bislang unbestätigt; sie steht und fällt mit der im Abschnitt zu den Grenzen skizzierten Untersuchung.

Wirksam ist dabei der Stand der Kompetenzen, nicht das Alter. Der Schluss zurück, wer viel weiß, sei auch bereit für eine höhere Stufe, gilt allerdings nur eingeschränkt. Fachwissen ist gegenstandsgebunden und kann in einem Gebiet rasch wachsen; darauf stützt sich ein Teil der inhaltlichen Prüfung unmittelbar.

Die Genauigkeit der Selbsteinschätzung verbessert sich dagegen nach den vorliegenden, noch schmalen Hinweisen über einen langen, bis in die Adoleszenz reichenden Zeitraum (Weil et al., 2013). Bei den exekutiven Funktionen verlaufen die Komponenten unterschiedlich: Die deutlichsten Zuwächse der Inhibition liegen im Vorschulalter, doch verbessern sich auch scheinbar einfache Hemmaufgaben bis in die Adoleszenz weiter, während Arbeitsgedächtnis und kognitive Flexibilität über Kindheit und Jugend eher stetig zunehmen; die Befundlage gilt den Autoren selbst als uneinheitlich (Best & Miller, 2010); die für das Modell einschlägige Variante, eine verfügbare Belohnung zugunsten eines späteren Ziels zurückzustellen, wird von den üblichen neutralen Verfahren nur unvollständig abgebildet; Zelazo und Carlson (2012) ordnen sie den „heißen“ exekutiven Funktionen zu und halten für diese einen eigenen, möglicherweise verzögerten Verlauf für wahrscheinlich, verweisen aber zugleich auf Arbeiten, die keine getrennten Faktoren für heiße und kühle exekutive Funktionen finden. Der eigenständige Verlauf ist damit eine begründete Annahme, kein gesicherter Befund.

Ob diese Verläufe auf Reifung, auf kumulierte Erfahrung oder auf beides zurückgehen, ist mit überwiegend querschnittlichen Daten nicht zu entscheiden (siehe oben zu Bayard et al., 2021). Für das Modell genügt der deskriptive Befund: Durch Fachwissen in einem einzelnen Gebiet lassen sich diese Anteile nicht aufwiegen. Ein Kind, das in einer Sache viel weiß, kann darum plausible Fehler in dieser Sache durchaus finden und dennoch nicht die Selbststeuerung mitbringen, die Stufe 3 verlangt.

Das Alter setzt den Selbstregulationsanteilen deshalb eine Erwartung, keine Grenze: Es macht bestimmte Ausprägungen unwahrscheinlich, sagt über die einzelne Person aber wenig und taugt nicht als Zuordnungsregel. Die genannten Befunde beschreiben Gruppenmittel mit erheblicher Streuung zwischen Personen und Aufgaben; sie begründen die Reihenfolge der Stufen, ersetzen aber keine individuelle Einschätzung.

Abgrenzung zu verwandten Modellen

Verwandte Modelle liegen vor. Rowe (2026) staffelt im GRAIT-Modell den KI-Zugang nach Lernmeilensteinen und unterscheidet drei Phasen: unabhängige Kognition ohne KI, geteilte Kognition und schließlich ausgelagerte und umverteilte Kognition. Die Leitfrage ist dieselbe wie hier.

Praktisch am weitesten verbreitet ist die AI Assessment Scale (Perkins et al., 2024), die den zulässigen KI-Einsatz in fünf Stufen von „kein KI-Einsatz“ bis „vollständiger KI-Einsatz“ staffelt und vor allem der Transparenz und Prüfungsintegrität dient; in der überarbeiteten Fassung (Perkins et al., 2025) sind die Stufen neu benannt und ausdrücklich nicht mehr hierarchisch gemeint. Bezugsgröße bleibt in beiden Fassungen die Aufgabe oder das Prüfungsformat, nicht die Person; dieselbe Einstufung gilt für alle Lernenden einer Kohorte.

Molenaar (2022b) beschreibt unter dem Begriff der hybriden Intelligenz, wie sich Erkennen, Diagnostizieren und Handeln zwischen Lehrkraft und Technik verteilen, und staffelt diese Verteilung in sechs Grade der Automatisierung; in einer zweiten Arbeit (Molenaar, 2022a) macht sie daraus eine normative Forderung: Adaptive Lernumgebungen übernehmen die Regulation von 10- bis 14-Jährigen, was die Entwicklung ihrer Selbstregulation gefährdet, weshalb die Kontrolle schrittweise zurückzugeben ist. Diesen Gedanken teilt das SKILL-Modell; es ist das nächstverwandte. Die Verteilung von Unterstützung auf mehrere Instanzen ist zudem als verteiltes Scaffolding beschrieben (Puntambekar & Hübscher, 2005), und Tabak (2004) hat mit dem Begriff der Synergie gefasst, dass Software und Lehrkraft dieselbe Lernbedürftigkeit adressieren und sich wechselseitig verstärken können.

Das ICAP-Modell (Chi & Wylie, 2014) ordnet Lernaktivitäten nach dem Grad der Beteiligung von passiv über aktiv und konstruktiv bis interaktiv und sagt in dieser Reihenfolge steigende Lernergebnisse voraus; eine KI, die fertige Lösungen liefert, verschiebt Lernende nach dieser Ordnung von konstruktiv nach passiv, wobei diese Übertragung auf generative KI eine Ableitung ist und nicht geprüft. TPACK (Mishra & Koehler, 2006) und das SAMR-Modell (in der Beschreibung von Hamilton et al., 2016) beschreiben das Wissen der Lehrkraft beziehungsweise den Grad der technologischen Veränderung einer Aufgabe; beide bestimmen den Lenkungsgrad eines Werkzeugs nicht. SAMR liegt keine begutachtete Primärpublikation zugrunde, und es wird wegen fehlender Kontextsensitivität, seiner Hierarchieannahme und seiner Produktorientierung kritisiert (Hamilton et al., 2016).

Das SKILL-Modell setzt an drei Stellen anders an. Die Bezugsgröße ist die gegenstandsgebundene Kompetenz, KI lernwirksam zu nutzen, aufgeschlüsselt in vier Teilkompetenzen; dieselbe Person kann in einem Fach auf Stufe 3 und in einem anderen auf Stufe 1 stehen. Lenkung wird zudem als Zusammenspiel von Werkzeug und Lehrkraft gefasst und an eine Stufenentscheidung gekoppelt.

Die Unterscheidung der beiden Quellen ist nicht neu: Saye und Brush (2002) trennen fest im Werkzeug verankerte Gerüste (hard scaffolds), die vorab geplant sind und für alle gleich wirken, von situativ erzeugten Gerüsten der Lehrkraft (soft scaffolds), die diagnostisch reicher, aber knapp sind; das verteilte Scaffolding und Tabaks Synergiebegriff beschreiben ihr Zusammenwirken. Neu ist die normative Wendung: Fehlende Lenkung im Werkzeug muss in der Situation von der Lehrkraft hergestellt werden, und weil personelle Lenkung nur punktuell verfügbar ist, begrenzt sie, welche Werkzeuge in welchem Setting vertretbar sind. Aus einer Beschreibung wird eine Auswahlregel. Und Lenkung wird in drei Hebel zerlegt, sodass sich Werkzeuge beschreiben lassen, die etwa vollständige Kontextualisierung mit geringer Hilfedichte verbinden; eine Stufenlogik ohne Hebel kann diese Kombination nicht abbilden.

GRAIT staffelt dagegen entlang erreichter Meilensteine im Curriculum und bezieht ein, ob Lernende die Ausgabe schon bewerten können, reguliert aber den Zugang zur Technik als Ganzes. Molenaars Automatisierungsgrade lassen sich innerhalb der SKILL-Stufen als Beschreibung der Regulationsverteilung nutzen; ICAP begründet die Prüffrage der kognitiven Aktivierung. Was das Modell nicht leistet: Es enthält kein Diagnoseinstrument für die Stufenzuordnung und ist empirisch nicht geprüft.

Teilkompetenzen

Die Kompetenz, KI lernwirksam zu nutzen, ist situations- und gegenstandsgebunden. Vier Teilkompetenzen bestimmen sie; sie lassen sich unabhängig vom Lernergebnis erfassen und halten die Bezugsgröße des Modells damit prüfbar:

  • Fachwissen in der Sache. Wer wenig über das Thema weiß, kann die fachliche Qualität einer Antwort nicht beurteilen und übersieht plausible Fehler (Kalyuga, 2007; Kirschner et al., 2006). Wer die schriftliche Division noch nicht sicher beherrscht, sieht einer sauber gesetzten, aber falschen Rechnung die Fehlstelle nicht an. Erfassbar über Vortests, unabhängig vom KI-Einsatz.
  • Kritische KI-Kompetenz. Grenzen des Werkzeugs, erfundene Angaben und gefällige Antworten erkennen und Ausgaben systematisch prüfen. Die Kompetenzrahmen der UNESCO (2024) sowie von OECD und Europäischer Kommission (2026) führen diese Fähigkeit als wesentlichen Bestandteil von KI-Bildung; Ng et al. (2021) unterscheiden Kennen, Anwenden, Bewerten und ethisches Reflektieren. Erfassbar vor dem Einsatz an standardisiertem Material, etwa daran, ob in vorgelegten KI-Antworten eingebaute Fehler gefunden werden.
  • Selbstregulation. Wer selbstreguliert lernt, bereitet sich vor, beobachtet sich beim Arbeiten und schaut anschließend zurück (Zimmerman, 2002), gestützt auf Zielsetzung und Selbstwirksamkeit. Für den KI-Einsatz heißt das: entscheiden können, wann die KI als Denkpartner sinnvoll ist und wann nicht. Dazu gehört die Impulskontrolle, die Lösung nicht sofort abzurufen. Sie greift auf inhibitorische Kontrolle zurück, die zu den exekutiven Funktionen zählt; exekutive Funktionen sind früh angelegt, verstärken sich aber über Kindheit und Jugend hinweg weiter, wobei ihre Komponenten unterschiedlich verlaufen (Best & Miller, 2010). Anspruchsvoll ist hier weniger das Unterdrücken eines Impulses in einer neutralen Aufgabe, wie es die klassischen Verfahren erfassen, als das Zurückstellen einer verfügbaren und unmittelbar erfolgreichen Handlung zugunsten eines Lernziels, das erst später sichtbar wird; diese Anforderung enthält eine motivationale Komponente, die die üblichen Maße exekutiver Funktionen nicht abbilden. Dazu gehört die adaptive Hilfesuche, von Newman (2002) als Strategie der Selbstregulation gefasst, die auf künftige Selbstständigkeit zielt: einen Hinweis statt der Lösung anfordern, und nur so viel wie nötig; dass Lernende Hilfe erst nach einem eigenen Versuch abrufen sollten und dies regelmäßig verfehlen, ist für Tutorsysteme dokumentiert (Aleven et al., 2016). Fan et al. (2025) zeigen, dass sich gerade diese Prozesse unter freier KI-Nutzung verschieben. Erfassbar über Selbstauskunft und Prozessdaten aus KI-fernen Aufgaben, nicht am Verlauf des laufenden Einsatzes.
  • Sprachliche und kognitive Voraussetzungen. Eine Frage präzise formulieren, eine längere Antwort lesen und im Arbeitsgedächtnis halten, Kontext bereitstellen. Eine lange KI-Antwort belastet das Arbeitsgedächtnis zusätzlich zur Aufgabe; bei geringem Vorwissen fehlen die Schemata, die diese Last auffangen (Sweller et al., 2019). Ein Kind der dritten Klasse tippt „warum ist das falsch“, bekommt acht Sätze zurück und liest ab dem dritten nicht mehr mit. Die Antwort war fachlich richtig, hat dem Kind aber nicht geholfen. Erfassbar über Lese- und Formulierungsproben.

Wer in einem oder mehreren dieser Bereiche am Anfang steht, braucht mehr Lenkung. Diese Lernenden stellen die nötige Struktur nicht selbst her: Sie geben der KI keine Rolle vor und liefern ihr keinen Fachkontext, weil sie noch nicht wissen, dass beides den Unterschied macht. Mit wachsender Kompetenz kehrt sich die Anforderung um. Dann stört redundante Struktur, und das Werkzeug muss sich öffnen lassen. Für die Stufenzuordnung in der Praxis ist die niedrigste Teilkompetenz maßgeblich (Minimum-Regel): Eine einzelne fehlende Voraussetzung, etwa geringe Impulskontrolle bei hohem Fachwissen, wird durch die übrigen nicht aufgewogen. Innerhalb der Stufe lassen sich die Hebel dann unterschiedlich einstellen. Wie sich die vier Teilkompetenzen ökonomisch erfassen lassen, ist offen (Abschnitt „Grenzen und offene Fragen“).

Vorfrage: ob KI in dieser Lernsituation gebraucht wird

Ob KI in dieser Lernsituation überhaupt einen Beitrag leistet, entscheidet das Modell nicht. Das Spektrum beginnt erst danach. Ein Modell, das den KI-Einsatz ordnet, kann so gelesen werden, als sei der Einsatz gesetzt und nur noch die Dosierung offen. Viele Lernziele werden aber ohne KI besser erreicht: weil die Tätigkeit, die die KI übernehmen würde, das ist, was geübt werden soll, oder weil Material, Gespräch und eigenes Probieren ausreichen. Ein Kind, das Zahlen zerlegt, braucht Plättchen und eine Frage, keinen Chatbot. Die Vorfrage ist der Stufenlogik deshalb vorgelagert: Nur wenn sie bejaht wird, stellt sich die Frage nach der passenden Stufe. Wird sie bejaht und sind die Voraussetzungen gering, führt das zu Stufe 1; häufig fällt die Vorfrage aber schon negativ aus. International kommt die OECD (2026) in ihrer Synthese der vorliegenden Evidenz zu demselben Schluss: Generative KI unterstützt Lernen, wenn klare didaktische Prinzipien sie führen; wird die Aufgabe ohne pädagogische Rahmung an sie ausgelagert, steigt die Leistung, ohne dass Lernen entsteht.

Das gilt altersunabhängig, hat aber in der Grundschule besonderes Gewicht. Dort entstehen die Grundlagen, an denen sich später jede KI-Antwort messen lassen muss: Lesen, Schreiben, Zahlvorstellungen, erste Erfahrungen mit dem eigenen Denken und seinen Fehlern. Die Entwicklungsbefunde zu Monitoring und epistemischer Wachsamkeit stützen die Zurückhaltung, die die SWK (2024) für diese Phase empfiehlt. Auf Stufe 1 bleibt der Einsatz auf wenige, klar umrissene Situationen begrenzt: solche, in denen ein eingebettetes Werkzeug etwas leistet, das anders nicht zu haben ist, etwa geduldige Rückmeldung zum eigenen Lösungsweg, sprachliche Entlastung oder Zugänge für Kinder mit Beeinträchtigungen. Für die übrigen Lernsituationen genügen Plättchen, eine gute Frage und Zeit zum Ausprobieren.

Vor der didaktischen Entscheidung steht zudem eine rechtliche. Frei zugängliche Chatbots setzen in ihren Nutzungsbedingungen ein Mindestalter voraus, in der Regel 13 Jahre oder das im Land geltende Mindestalter, für Minderjährige teils nur mit Erlaubnis der Sorgeberechtigten oder über elterlich verwaltete Konten; für einwilligungsbasierte Dienste gilt daneben Art. 8 DSGVO, in Deutschland mit einer Altersgrenze von 16 Jahren. In der Grundschule scheidet die Nutzung mit eigenem Konto damit aus. Für den Einsatz in der Schule gelten die Vorgaben der DSGVO und der Länder zur Auftragsverarbeitung.

Die KI-Verordnung der EU (Europäische Union, 2024) betrifft Schulen in vier Punkten. Erstens ist der Einsatz von KI-Systemen zur Ableitung von Emotionen in Bildungseinrichtungen seit dem 2. Februar 2025 verboten (Art. 5 Abs. 1 Buchst. f); erfasst sind Systeme, die Emotionen oder Absichten aus biometrischen Daten ableiten (Art. 3 Nr. 39), ausgenommen solche aus medizinischen Gründen oder Sicherheitsgründen. Zweitens müssen Anbieter und Betreiber Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihres Personals und der in ihrem Auftrag mit Betrieb und Nutzung befassten Personen zu fördern (Art. 4); die Pflicht adressiert die Schule als Betreiberin, nicht die Lernenden.

Drittens gelten Systeme, die über Zugang, Zulassung oder Zuweisung entscheiden, Lernergebnisse bewerten, das angemessene Bildungsniveau einer Person beurteilen oder Prüfungen überwachen, als Hochrisikosysteme (Anhang III Nr. 3 Buchst. a bis d; Art. 6 Abs. 3 nimmt Systeme ohne erhebliches Risiko aus, Systeme mit Profiling natürlicher Personen gelten aber stets als hochriskant). Die Pflichten für diese Hochrisikosysteme greifen nach der Änderungsverordnung (EU) 2026/1744 vom 8. Juli 2026 erst ab dem 2. Dezember 2027, für Anhang-I-Systeme ab dem 2. August 2028; dieselbe Verordnung hat die Pflicht aus Art. 4 von einem sicherzustellenden Kenntnisstand auf eine Maßnahmenpflicht zurückgenommen (Europäische Union, 2026). Viertens gelten seit dem 2. August 2026 die Transparenzpflichten des Art. 50: Anbieter müssen KI-Systeme, die unmittelbar mit Personen interagieren, so gestalten, dass diese über die Interaktion informiert werden; Betreiber müssen veröffentlichte KI-erzeugte oder KI-bearbeitete Inhalte kennzeichnen. Für den Unterricht heißt das vor allem, gegenüber den Lernenden offenzulegen, wenn sie mit einem KI-System arbeiten.

Für das Modell heißt das: Diese Schranken knüpfen am Alter an, nicht an der Kompetenz, und sind der Stufenlogik äußerlich. Wo sie greifen, in der Grundschule und weitgehend in der Sekundarstufe I, ist die eingebettete Lösung häufig die einzige zulässige, weil die Lehrkraft rechtliche Anforderungen nicht durch Begleitung ersetzen kann. Für Erwachsene, die in einem neuen Fachgebiet auf Stufe 1 stehen, ist die Werkzeugwahl allein eine didaktische.

Begriffsklärung: didaktische Lenkung

Didaktische Lenkung bezeichnet in diesem Beitrag alles, was den Handlungsspielraum der Lernenden im Sinne des Lernziels formt. Der Begriff ist weiter gefasst als der Begriff guidance der Instruktionsforschung (Kirschner et al., 2006; Lazonder & Harmsen, 2016), der gegebene Unterstützung meint; er schließt hier zusätzlich das gezielte Zurückhalten von Information ein. Neu ist dieser zweite Anteil nicht: Reiser (2004) unterscheidet innerhalb des Scaffolding das Strukturieren, das Komplexität senkt, vom Problematisieren, das Lernende gezielt auf Schwierigkeiten stößt, statt sie zu umgehen, und Kapur (2016) begründet denselben Mechanismus vom Lernergebnis her. Die Leitplanken des Modells sind die werkzeugseitige Umsetzung dieses zweiten Mechanismus; neu ist, dass er als eigener, unabhängig einstellbarer Hebel geführt wird. Die Effektstärken der genannten Metaanalysen beziehen sich gleichwohl auf gegebene Unterstützung und lassen sich auf das Zurückhalten nicht übertragen. Daraus folgt eine Asymmetrie in der Belegbasis: Für Scaffolding liegen metaanalytische Effektschätzungen vor (Belland et al., 2017; Lazonder & Harmsen, 2016). Für Kontextualisierung als eigenständigen Hebel fehlt eine solche Schätzung; sie wird aus der Literatur zu Vorwissen und Lenkung abgeleitet. Für Leitplanken als gezieltes Zurückhalten stützt sich das Modell auf zwei Einzelstudien in je eigenen Kontexten (Bastani et al., 2025; Buçinca et al., 2021). Zwei der drei Hebel sind damit nur schwach belegt, und der Hebel, auf dem Stufe 1 beruht, am schwächsten.

Eine dritte Studie prüft den Kontrast unmittelbar: Bassner et al. (2026) verglichen in einem randomisierten Experiment mit 275 Studierenden eines Programmier-Grundkurses einen Tutor mit gestuften Hinweisen und zurückgehaltener Lösung, unbeschränktes ChatGPT und eine Bedingung ohne KI. Beide KI-Bedingungen führten zu besseren Übungsergebnissen und weniger Frustration, während sich der KI-freie Wissenstest zwischen allen drei Bedingungen nicht unterschied. Der Befund wiederholt die Trennung von Leistung und Lernen, stützt aber nicht die Erwartung, dass Leitplanken im KI-freien Maß einen Vorteil erzeugen. Er wurde unmittelbar nach einer 90-minütigen Sitzung an einer hochschulischen Stichprobe erhoben, also nicht in dem Kompetenzbereich, für den das Modell den Vorteil vorhersagt; die Beweislast verschiebt er dennoch zulasten der Grundannahme.

In dieselbe Richtung weist ein randomisiertes Experiment mit 334 Studierenden, die einen Lehrbuchtext 25 Minuten lang bearbeiteten und anschließend ohne KI und ohne Text geprüft wurden: Gegenüber der Gruppe ohne Zugang schnitt die Gruppe mit unbeschränktem Zugang zu einem KI-Tutor um 0,34 Standardabweichungen besser ab, während sich der beschränkte Zugang, KI erst nach eigenständigem Lesen, nicht signifikant von der Gruppe ohne Zugang unterschied; der direkte Vergleich beider KI-Bedingungen fiel mit 0,21 Standardabweichungen zugunsten des unbeschränkten Zugangs aus und verfehlte die Signifikanz knapp (Fischer et al., 2025; Preprint). Der Befund spricht nicht gegen Leitplanken, lässt den erwarteten Vorteil aber offen; auch hier fehlt ein verzögerter Nachtest, und die Stichprobe ist hochschulisch. Der Begriff der didaktischen Lenkung ist dem Sammelwort „Vorstrukturierung“ vorzuziehen, weil er drei Dinge unterscheidbar macht, die bei KI-Werkzeugen analytisch getrennt sind:

HebelWas er tut
Scaffolding
adaptive Hilfe
Gestufte Hinweise, Rückfragen und Rückmeldungen, die sich am aktuellen Stand orientieren und zurückgenommen werden, sobald sie nicht mehr nötig sind (Fading).Der Tutor fragt erst „Was ist gesucht?“, dann „Welche Angaben brauchst du?“, bevor er einen Rechenweg andeutet.
Leitplanken
Guardrails
Feste Grenzen dessen, was die KI tut oder nicht tut. Sie schützen den Lösungsprozess, wenn er selbst Lernziel ist.Die KI gibt keine Endergebnisse aus, bevor ein eigener Versuch vorliegt; sie bleibt beim Thema.
Kontextualisierung
Einbettung von Aufgabe und Rolle
Lernziel, Aufgabe, fachlicher Hintergrund und die Rolle der KI sind im Werkzeug hinterlegt und müssen nicht von der Person hergestellt werden.Ein Sachrechen-Tutor kennt die Aufgabe, die Klassenstufe und typische Fehlvorstellungen.

Leitplanken sind unterschiedlich belastbar. Eine im Systemprompt hinterlegte Rolle lässt sich im Gespräch aushebeln: Sprachmodelle sind auf Hilfsbereitschaft trainiert und geben Lösungen preis, wenn Lernende drängen, Autorität behaupten oder das Thema wechseln. Zhao et al. (2026) zeigen das systematisch: Ein eigens auf das Umgehen pädagogischer Vorgaben feinabgestimmter simulierter Lernender entlockt gängigen KI-Tutoren in mehrschrittigen Dialogen die Lösung, mit erheblichen Unterschieden zwischen den Modellen; rein kontextbasierte Versuche ohne solche Feinabstimmung scheitern häufiger, und einfache Schutzmaßnahmen senken die Quote, beseitigen sie aber nicht. Die Studie beziffert die obere Grenze der Angreifbarkeit; wie leicht Lernende im Unterricht diese Grenzen verschieben, ist nicht untersucht.

Verlässlich wirken Grenzen, die außerhalb des Dialogs liegen, etwa eine Freigabe des Endergebnisses erst nach einem eigenen Versuch, ein begrenzter Antwortraum oder eine Prüfung der Ausgabe vor der Anzeige. Buçinca et al. (2021) zeigen in einem Entscheidungsexperiment mit 199 Erwachsenen, dass ein erzwungenes eigenes Urteil vor der KI-Ausgabe die Übernahme falscher Vorschläge deutlicher verringert als bloße Erklärungen. Für die Übertragung ist der Befund dreifach eingeschränkt. Erstens beruht er auf einer einzelnen Online-Stichprobe an einer Alltagsaufgabe ohne Lernziel. Zweitens bewerteten die Teilnehmenden gerade die Gestaltungen am schlechtesten, die die Übernahme falscher Vorschläge am stärksten senkten. Drittens nützten diese Gestaltungen vor allem Personen mit hoher Bereitschaft zur kognitiven Anstrengung. Ausgerechnet die Gruppe, der Stufe 1 solche Zwänge zumutet, könnte also am wenigsten davon profitieren; ob sich der Befund auf Lernaufgaben und Kinder überträgt, ist ungeprüft.

Anbieterseitige Lernmodi wie der Study Mode in ChatGPT oder Guided Learning in Gemini sollen das Verhalten in die didaktisch gewünschte Richtung verschieben, garantieren die Grenzen aber nicht; für die Gemini-Variante liegt eine Darstellung des Anbieters vor (LearnLM Team, 2024). Zu Guided Learning berichtet Google DeepMind (2026) eine präregistrierte randomisierte Feldstudie über acht Wochen mit 1763 Lernenden der Sekundarstufe I an zwölf Schulen in Sierra Leone und einen Effekt von 0,26 Standardabweichungen auf die Mathematikleistung, gerechnet über alle Zugewiesenen unabhängig von der tatsächlichen Nutzung; die Studie stammt vom Anbieter, ist nicht begutachtet, und die Vergleichsgruppe hatte keine zusätzliche Lerngelegenheit, sodass sie den hier interessierenden Kontrast zwischen gelenkter und offener Nutzung nicht prüft. Eine anbieterunabhängige Prüfung der Lernwirkung dieser Modi steht aus. Maurya et al. (2025) haben im Benchmark MRBench die Antworten aktueller Sprachmodelle mit denen erfahrener und unerfahrener menschlicher Tutorinnen und Tutoren verglichen und 1596 Einzelantworten aus 192 Dialogen entlang acht pädagogischer Dimensionen bewertet: Die Systeme erkennen Fehler, verorten sie und geben Hinweise, ohne die Lösung preiszugeben, aber sehr unterschiedlich verlässlich, und keines erreicht über alle acht Dimensionen hinweg das Niveau erfahrener Tutorinnen und Tutoren, wobei die Arbeit auch bei den menschlichen Vergleichsgruppen Lücken feststellt. Ein Lernmodus lässt sich zudem abschalten oder durch einen zweiten Zugang umgehen.

Für die Stufenzuordnung ist das erheblich. Auf Stufe 1 müssen die Leitplanken belastbar sein, also außerhalb des Dialogs verankert: entweder auf Anwendungsebene oder dadurch, dass die Lehrkraft den Dialog selbst führt und die Ausgabe prüft, bevor sie die Lernenden erreicht. Eine per Prompt oder Modus gesetzte Rolle, die die Lernenden selbst bedienen, bleibt im Dialog aushebelbar und reicht nur für Stufe 2. Belastbare Leitplanken setzen damit eine Einbettung auf Anwendungsebene oder eine durchgängige personelle Vermittlung voraus; die drei Hebel sind analytisch getrennt, in der Praxis aber nur teilweise unabhängig.

Der Lenkungsgrad eines Werkzeugs ergibt sich aus dem Zusammenspiel der drei Hebel. Die Hebel skalieren Dichte und Reichweite der Hilfen; ihre Kontingenz ist keine Stufengröße, sondern auf allen Stufen Qualitätsmerkmal. Daraus folgt eine Einschränkung der Achse: Weil Scaffolding hier als kontingente Hilfe definiert ist, kann seine Erhöhung den für Fortgeschrittene erwarteten Nachteil definitionsgemäß nicht erzeugen; dieser geht auf Leitplanken und Kontextualisierung zurück sowie auf Hilfen, die den Modellsinn verfehlen, etwa eine feste Hinweisreihenfolge. Für Werkzeuge sind beschreibende Bezeichnungen klarer als „vorstrukturiert“: eingebettet または app-integriert für KI, die in einer Lernanwendung mit hinterlegter Aufgabe und fester Rolle arbeitet; teiloffen für ein offenes Werkzeug, in dem Rolle und Auftrag vorbereitet, aber im Dialog veränderbar sind; offen für ein Werkzeug ohne hinterlegte Vorgaben. Diese Bezeichnungen betreffen nur das Werkzeug; wie viel personelle Begleitung hinzukommt, bestimmt erst die Stufe des Einsatzes. Die Achse heißt bewusst „Lenkung“ und nicht „Unterstützung“: Auch das Ausgeben einer fertigen Lösung ist eine Unterstützung, obwohl sie dem Lernen schadet.

Drei Größen sind zu unterscheiden und werden im Folgenden sprachlich getrennt gehalten. Das Kompetenzniveau (gering, mittel, hoch) beschreibt die Person. Der Lenkungsgrad eines Werkzeugs (hoch, mittel, niedrig) beschreibt, wie weit die drei Hebel im Werkzeug eingestellt sind: eingebettet, teiloffen oder offen. Der dritte Hebel heißt Kontextualisierung, damit „eingebettet“ dem Werkzeugtyp und „Eingebettet“ der Stufe vorbehalten bleibt. Die Stufe des Einsatzes (1 Eingebettet, 2 Begleitet, 3 Offen) bezeichnet den Passungsbereich: das Kompetenzniveau der Person zusammen mit dem Arrangement aus Werkzeuglenkung und personeller Begleitung, das dazu passt. Die Stufe wird über die Person bestimmt; welches Arrangement sie einlöst, zeigen die Tabellen. Dieselbe Stufe ist deshalb mit verschiedenen Werkzeugen erreichbar, solange die Begleitung den Unterschied ausgleicht; wo im Folgenden „Stufe 1“ steht, ist die Stufe des Einsatzes gemeint, nicht der Werkzeugtyp.

Auch der Begriff „KI-Kompetenz“ braucht eine Präzisierung. Gemeint ist die lernbezogene KI-Kompetenz in der Sache, also die Fähigkeit, KI bei diesem Gegenstand so zu nutzen, dass eigenes Können entsteht. Sie ist teilweise gegenstandsgebunden: Fachwissen und, in schwächerem Maß, die kritische Prüfung von KI-Ausgaben variieren bei derselben Person von Fach zu Fach, Selbstregulation und die sprachlich-kognitiven Voraussetzungen dagegen kaum. Unter der weiter unten eingeführten Minimum-Regel setzen die bereichsübergreifenden Anteile deshalb eine Obergrenze, die das Fachwissen im einzelnen Gebiet nur unterschreiten, nicht anheben kann. Im Folgenden heißt sie kurz lernbezogene KI-Kompetenz. Damit die Definition nicht zirkulär wird, bestimmt das Modell die Kompetenz nicht über das Lernergebnis, sondern über die vier Teilkompetenzen. Vollständig unabhängig vom Einsatz erfassbar sind davon Fachwissen sowie sprachliche und kognitive Voraussetzungen; kritische KI-Kompetenz und Selbstregulation werden über das Verhalten in KI-nahen Situationen erschlossen und sind deshalb vor dem Einsatz an standardisiertem Material zu erheben, nicht am Verlauf des laufenden Einsatzes. Der Begriff KI-Kompetenz wird im Beitrag in drei Bedeutungen gebraucht, die auseinanderzuhalten sind: lernbezogene KI-Kompetenz als Bezugsgröße des Modells, kritische KI-Kompetenz als eine ihrer Teilkompetenzen und KI-Kompetenz im Sinne von Artikel 4 der KI-Verordnung als Förderpflicht der Betreiberinnen und Betreiber.

Lenkung durch Werkzeug und Lehrkraft

Wie viel Lenkung ein Werkzeug mitbringt, beschreibt zunächst nur das Werkzeug. Lenkung kann aber ebenso von Personen kommen, vor allem von der Lehrkraft, die den Einsatz vorbereitet, im Raum begleitet und nachbereitet. Erst beide Quellen zusammen ergeben die Stufe des Einsatzes: Die Stufe beantwortet die Frage, wie viel Lenkung dieses Kind braucht, der Werkzeugtyp die Frage, wie viel Lenkung dieses Programm mitbringt. Sie sind dabei nicht beliebig gegeneinander austauschbar: Lenkung aus dem Werkzeug wirkt kontinuierlich, in jeder Interaktion und auch dann, wenn niemand danebensitzt; Lenkung durch die Lehrkraft ist diagnostisch reicher und flexibler, steht aber nur punktuell und nicht für alle Lernenden gleichzeitig zur Verfügung. Fehlt Lenkung im Werkzeug, muss die Lehrkraft sie in dem Moment herstellen, in dem sie gebraucht wird, und nur so lange, wie sie das leisten kann.

Erste Hinweise stützen diese Annahme. Die laufend fortgeschriebene, nicht begutachtete Metaanalyse von Strohmaier et al. (2026) zu generativer KI im Mathematiklernen findet in ihrer vierten Fassung auf Basis von 27 Studien einen positiven Gesamteffekt (g = 0,49; Kredibilitätsintervall 0,24 bis 0,75, das bayesianische Gegenstück zum Konfidenzintervall) und keinen Hinweis auf Publikationsverzerrung. Am deutlichsten unterscheiden sich die Studien darin, ob die KI den regulären Unterricht ergänzt oder die Lehrkraft ersetzt; als Ergänzung wirkt sie stärker. Spätere Fassungen können abweichen.

In dieselbe Richtung weist ein randomisierter Feldversuch, in dem nicht die Lernenden, sondern rund 900 Tutorinnen und Tutoren KI-Unterstützung erhielten: Ihre 1800 Lernenden beherrschten Themen um vier Prozentpunkte häufiger, bei den zuvor am schlechtesten bewerteten Tutorinnen und Tutoren um neun (Wang et al., 2025; Preprint).

Einen ersten Hinweis darauf, dass Stufe 2 in der Praxis funktioniert, liefert ein randomisierter Feldversuch in Nigeria: Ein generisches, nicht eingebettetes Sprachmodell wurde sechs Wochen lang in einem lehrkraftbegleiteten Nachmittagsprogramm eingesetzt und erbrachte einen Gesamteffekt von 0,31 Standardabweichungen, im Zielfach Englisch 0,23 und in der von der Schule durchgeführten Jahresabschlussprüfung in Englisch 0,21 (De Simone et al., 2025); verglichen wurde mit einer Gruppe ohne zusätzliche Lerngelegenheit, sodass der Effekt die KI-Nutzung mit zusätzlicher Unterrichtszeit vermengt, worauf die Autorinnen und Autoren selbst hinweisen. Der Befund zeigt, dass ein offenes Werkzeug mit dichter Begleitung wirken kann, nicht, dass es dem gelenkten überlegen wäre. Alle drei Befunde betreffen die Verteilung der Lenkung; ob sich Werkzeuglenkung und Begleitung in den hier angenommenen Kombinationen gegeneinander aufrechnen lassen, bleibt offen (Abschnitt „Grenzen und offene Fragen“).

In einer Klasse liegen die Stufen in der Regel nebeneinander. Praktikabel ist dann, das Werkzeug an der niedrigsten vorkommenden Stufe auszurichten und die Begleitung dort zurückzunehmen, wo die Lernenden weiter sind, und nicht umgekehrt, weil ein zu offenes Werkzeug für die Unsichersten nicht durch Aufsicht auszugleichen ist.

Auch auf Stufe 1 kann deshalb ein offener Chatbot eingesetzt werden, soweit die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen; in der Grundschule regelmäßig nur ohne eigenes Konto der Kinder, also über einen Zugang der Lehrkraft im Plenum. Dann liegt fast die gesamte Lenkung bei der Lehrkraft. Sie wählt Aufgabe und Ausschnitt, stellt die Anweisung an die KI selbst bereit, arbeitet im Plenum oder in kleinen Gruppen, unterbricht, wenn die KI eine Lösung vorwegnimmt, und lässt die Kinder anschließend ohne KI erklären, was sie herausgefunden haben. Das ist möglich, aber aufwendig, und es funktioniert nur so lange, wie die Lehrkraft tatsächlich präsent ist. Ein eingebettetes Werkzeug leistet dieselbe Lenkung dauerhaft, auch in der Freiarbeit oder zu Hause. Umgekehrt lässt sich ein eingebettetes Werkzeug auf Stufe 3 fast ohne Begleitung nutzen; dort kann seine Struktur allerdings stören. Die Stufe des Einsatzes ergibt sich also aus zwei Fragen: Wie viel Lenkung bringt das Werkzeug mit, und wie viel personelle Begleitung kommt hinzu? Auch hier gibt es keine scharfen Grenzen. Die Begleitung wird Schritt für Schritt zurückgenommen, so wie ein Gerüst nicht auf einmal abgebaut wird.

Personelle Lenkung setzt Einblick voraus. Lehrkraftansichten, die anzeigen, wer feststeckt, wer Hinweise überspringt und wo dieselbe Fehlvorstellung auftritt, können Aufmerksamkeit dorthin verlagern, wo sie gebraucht wird. Holstein et al. (2018) zeigten das für eine an ein Tutorsystem gekoppelte Mixed-Reality-Brille im Mathematikunterricht der Sekundarstufe I: In einem Experiment mit drei Bedingungen lernten 286 Schülerinnen und Schüler in 18 Klassen bei acht Lehrkräften mehr, wenn die Lehrkraft Echtzeitanalysen zu Lernstand, Metakognition und Verhalten erhielt. Für Rückmeldeansichten in generativen KI-Anwendungen steht eine vergleichbare Prüfung aus. Auf Stufe 1 und 2 gehört eine Lehrkraftansicht deshalb konzeptuell zur Lenkung; ohne sie bleibt die Begleitung auf Stichproben angewiesen. Rechtlich ist dabei zu unterscheiden: Eine Ansicht, die Bearbeitungsverläufe sichtbar macht und der Lehrkraft die Deutung überlässt, ist unkritisch; ein System, das den Lernstand selbst bewertet und daraus Zuweisungen oder Leistungsurteile ableitet, fällt unter Anhang III Nr. 3 der KI-Verordnung und unterliegt den Pflichten für Hochrisikosysteme. Rückmeldeansichten sind deshalb so zu gestalten, dass sie Beobachtung stützen, statt Bewertung zu automatisieren.

Stufe des EinsatzesEingebettetes Werkzeug (Lenkung hoch)Teiloffenes Werkzeug (Lenkung mittel)Offenes Werkzeug (Lenkung niedrig)
1.組み込み
geringe Kompetenz
Begleitung normal: Einführung, Beobachtung, Aufgreifen im Unterricht. Nutzung auch in Freiarbeit oder zu Hause möglich.Nicht ausreichend, wenn die Lernenden den Dialog selbst führen: Die per Prompt oder Lernmodus gesetzte Rolle ist aushebelbar und erzeugt eine Sicherheit, die sie nicht einlöst. Führt die Lehrkraft den Dialog, gilt dieselbe Regelung wie für das offene Werkzeug.Begleitung intensiv: Die Lehrkraft führt den Dialog selbst, im Plenum oder in Kleingruppen; gemeinsame Vorbereitung, feste Regeln, Nachbereitung ohne KI. Nicht für die unbeaufsichtigte Nutzung.
2.同伴
mittlere Kompetenz
Begleitung gering: Werkzeug wird geöffnet, Ergebnisse werden besprochen.Begleitung mittel: klarer Auftrag, vorbereitete Rolle, Stichproben, Reflexion der Nutzung. Der Regelfall dieser Stufe.Begleitung mittel bis gering: Auftrag und Transparenzregeln, Stichproben, Nutzung reflektieren.
3.開く
hohe Kompetenz
Kaum Begleitung nötig; eingebaute Struktur kann bremsen.Kaum Begleitung nötig; vorbereitete Rolle ist entbehrlich.Kaum Begleitung nötig: Transparenzregeln vereinbaren, gelegentlich reflektieren, Lernen weiterhin ohne KI prüfen.

スキルスペクトル

Das Spektrum ordnet Werkzeuge und Einsatzformen entlang der Kompetenz. Drei Stufen strukturieren es: 埋め込み, 同伴 そして 開ける. Sie sind Orientierungsmarken auf einem Kontinuum mit fließenden Übergängen. Eine Person kann in der Sache schon weit sein, im Prüfen von KI-Antworten aber noch am Anfang stehen. Nach der Minimum-Regel wird sie dann Stufe 1 zugeordnet; die Hebel lassen sich innerhalb dieser Stufe aber unterschiedlich einstellen, sodass die Lenkung dort zurückgenommen wird, wo die Person weiter ist, ohne dass sich die Stufe ändert.

Die Stufen lassen sich an zwei Entwicklungsgrößen ablesen. Stufe 1 gilt, solange Kinder ihre eigene Lösungsgüte deutlich überschätzen und diese Überschätzung auch nach Rückmeldung bestehen bleibt, und solange sie fremde Aussagen nur dann zurückweisen, wenn deren Unstimmigkeit deutlich hervortritt oder ein Quellenhinweis vorliegt; Monitoring und Leitplanken übernimmt dann überwiegend das Werkzeug.

Dass sich die Selbsteinschätzung im frühen Grundschulalter durch Rückmeldung nicht ohne Weiteres verbessern lässt, ist dokumentiert: Kolloff et al. (2023) gaben 112 Kindern im ersten Schuljahr (7 bis 8 Jahre) über sechs Sitzungen entweder reines Leistungsfeedback oder zusätzlich Feedback über die Übereinstimmung von Leistung und eigenem Urteil; die Kinder unterschieden in allen Sitzungen über dem Zufall zwischen richtigen und falschen Antworten und überschätzten sich zugleich durchgehend, doch verbesserte keine der beiden Varianten diese Unterscheidung. Die Studie führte keine Kontrollgruppe ohne Feedback mit; beide Bedingungen erhielten Rückmeldung. Der Indikator für Stufe 1 bezieht sich auf die Kalibrierung, der Nullbefund auf die Diskrimination; für die Kalibrierung selbst liegt kein entsprechender Trainingsbefund vor.

Buehler et al. (2025) fanden in einem verwandten Paradigma derselben Arbeitsgruppe, ergänzt um eine aktive Kontrollgruppe und ein Prä-Post-Design, dagegen einen kleinen Zuwachs im Unsicherheitsmonitoring, allerdings nur für das metakognitive und nicht für das leistungsbezogene Feedback und nur in gemischten Modellen, nicht in den ergänzend berichteten Varianzanalysen; die Autorinnen und Autoren mahnen selbst zur Vorsicht. Rückmeldung wirkt demnach, wenn sie sich ausdrücklich auf die Einschätzung selbst bezieht; wie viele Gelegenheiten dafür nötig sind, ist offen. Der Indikator ist deshalb als Muster über mehrere Gelegenheiten hinweg zu lesen, nicht als Ergebnis eines einzelnen Rückmeldeversuchs. Gemeint ist ein Ausmaß, kein Alles-oder-nichts: Eine gewisse Überschätzung des eigenen Verstehens bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen (Rozenblit & Keil, 2002) und schließt die höheren Stufen nicht aus.

Stufe 2 beginnt, wo Fehler in fremden Antworten selbst gefunden werden und Hilfe erst nach einem eigenen Versuch geholt wird; das Monitoring des eigenen Stands wandert zur Person, die Leitplanken hält weiterhin das Werkzeug. Zwei Voraussetzungen kommen hier zusammen: die inhaltliche Prüfung fremder Aussagen (Sperber et al., 2010; Mills, 2013) und die rückblickende Einschätzung des eigenen Ergebnisses, die sich im Grundschulalter als einzige der geprüften metakognitiven Fertigkeiten über ein Jahr hinweg verbesserte (Bayard et al., 2021). Die Reihenfolge lässt sich damit entwicklungspsychologisch plausibilisieren, ohne als Stufenfolge belegt zu sein. Nicht haltbar wäre dagegen die Annahme, die Prüfung der Quelle gehe der Prüfung des Inhalts entwicklungslogisch voraus: Beide Mechanismen sind bereits im Vorschulalter nachweisbar; was sich entwickelt, ist die Empfindlichkeit für weniger auffällige Unstimmigkeiten und die Regelmäßigkeit, mit der die Prüfung überhaupt einsetzt (Mills, 2013).

Stufe 3 setzt voraus, dass auch subtile, sprachlich gut eingebettete Unstimmigkeiten erkannt werden, für die weder ein Quellenhinweis noch eine auffällige Abweichung vom Erwartbaren einen Anhaltspunkt gibt, und dass der eigene Lernstand ohne Rückmeldung eingeschätzt wird; dass dieser anspruchsvollste Indikator erst hier steht, passt zu dem Befund, dass sich das vorausschauende Monitoring im Grundschulalter über ein Jahr hinweg nicht verbesserte (Bayard et al., 2021).

Die Übernahme des Monitorings durch das Werkzeug auf Stufe 1 ist eine Entlastung auf Zeit, kein Dauerzustand. Selbstreguliertes Lernen ist bereits im Grundschulalter durch Unterricht förderbar: Dignath und Büttner (2008) berichten in getrennten Metaanalysen für Grundschule (49 Studien) und Sekundarstufe (35 Studien) über 357 Effektstärken einen mittleren Gesamteffekt von d = 0,69 auf Schulleistung, Strategienutzung und Motivation, und die Effekte fallen höher aus, wenn die Trainings metakognitive Reflexion einschließen, also vermitteln, wann, warum und wie eine Strategie einzusetzen ist. Die Effekte stammen überwiegend aus kurzen, von Forschenden durchgeführten Trainings; sie halten jedoch über die Zeit: In einer Metaanalyse von 48 Interventionen fiel der Effekt im Follow-up höher aus als unmittelbar danach (g = 0,63 gegenüber 0,50), und Lernende aus sozial benachteiligten Verhältnissen profitierten langfristig am stärksten (de Boer et al., 2018). Ob sich dadurch auch die Genauigkeit der Selbsteinschätzung verbessert, führt keine der beiden Metaanalysen als Ergebnisvariable. Zur Lenkung auf Stufe 1 gehört deshalb, dass das vom Werkzeug übernommene Monitoring im Unterricht zum Thema wird: einschätzen vor der Rückmeldung, Einschätzung und Ergebnis vergleichen, den eigenen Weg ohne KI erklären. Ohne diesen Anteil stabilisiert Stufe 1 die Voraussetzung, die sie überwinden soll.

In der interaktiven Darstellung lässt sich der Punkt frei verschieben; alternativ ist eine der drei Stufen wählbar. Die Darstellung zeigt zu jeder Stufe die passende Ausprägung der vier Teilkompetenzen, die Einstellung der drei Lenkungshebel, den nötigen Umfang der Begleitung, die Aufgabe der Lehrkraft und die Anzeichen dafür, dass die nächste Stufe erreicht ist.

Vorfrage: Leistet KI hier etwas, das Material, Gespräch und eigenes Probieren nicht leisten? Wenn nein, beginnt das Spektrum nicht.

Spektrum erkunden

Punkt entlang der Achse ziehen oder eine Stufe wählen.

Wo steht die Person?

Kompetenz der Person gering → hoch Nötige Lenkung (Werkzeug + Begleitung) hoch → niedrig 1.組み込み 2.同伴 3.開く Kompetenz: gering Lenkung: hoch

Was folgt daraus?

レベル1・組み込み

その分野における専門知識

重要なAI能力

自己制御

Sprache und Kognition

Werkzeugwahl auf dieser Stufe: eingebettet oder offen?

Woran man erkennt, dass die nächste Stufe passt

Typisches Risiko auf dieser Stufe

Vorab zu klären: 学習ツールなのか、それとも不利な点を補うためのものなのか? · Die Stufen sind Orientierungsmarken auf einem Kontinuum. Stufenidee nach Pearson & Gallagher (1983) und Rowe (2026); Abwägen von Geben und Zurückhalten nach Koedinger & Aleven (2007); Teilkompetenzen nach UNESCO (2024) sowie OECD & Europäische Kommission (2026).

Folgerungen für KI im Unterricht

Bei jedem neuen Gegenstand beginnt auch eine erfahrene Person mit wenig Vorwissen. Die offene Nutzung frei zugänglicher Chatbots kann deshalb nicht der Normalfall des Lernens sein; sie ist die dritte Stufe. Für die meisten Lernsituationen in der Schule ist Stufe 1 oder 2 angemessen: KI, die in eine Lernanwendung eingebettet ist und im Hintergrund einer didaktisch gestalteten Umgebung arbeitet, oder ein offenes Werkzeug mit klarem Auftrag, vorbereiteter Rolle und Begleitung durch die Lehrkraft. In beiden Fällen bleibt die Lehrkraft Teil des Arrangements. Die Frage lautet, welche Anteile der Lenkung sie übernimmt und welche das Werkzeug.

Das Modell hat eine Gerechtigkeitsdimension. Wenn lernwirksame KI-Nutzung Vorwissen, sprachliche Sicherheit, Selbstregulation und technisches Verständnis voraussetzt, profitieren zuerst diejenigen, die all das schon mitbringen. Lehmann et al. (2025) berichten eine solche Schere entlang des Vorwissens bei Studierenden; der Befund ist explorativ. Ob sich die Schere auch entlang sozialer Herkunft öffnet, ist damit nicht gezeigt, liegt aber nahe, weil die genannten Voraussetzungen selbst herkunftsabhängig verteilt sind. Eingebettete Werkzeuge senken die Einstiegshürde und lassen sich mit wachsender Kompetenz öffnen. Das Modell erwartet deshalb, dass sie die Ergebnisse gleichmäßiger verteilen als der offene Chatbot, der zwar allen offensteht, den aber vor allem diejenigen produktiv nutzen, die die genannten Voraussetzungen schon mitbringen. Diese Erwartung ist nicht geprüft: Kein vorliegender bildungsbezogener Vergleich berichtet neben dem Mittelwert die Streuung der Lernergebnisse. Außerhalb des Bildungsbereichs weist ein randomisierter Feldversuch in die erwartete Richtung: Bei Kleinunternehmerinnen und Kleinunternehmern in Kenia verschlechterte der Zugang zu einem KI-Assistenten die Ergebnisse der zuvor schwächeren Hälfte, während die stärkere profitierte (Otis et al., 2026). Auf Lernergebnisse übertragbar ist das nicht. Solange die Streuung niemand berichtet, bleibt der Satz eine Hypothese.

Für Lehrkräfte gilt die Logik ebenfalls. Wer fachlich sicher ist und Erfahrung mit Sprachmodellen hat, kann offene Werkzeuge für Planung, Materialerstellung und Organisation produktiv einsetzen. Andere brauchen Werkzeuge, die ohne ausgeprägte Prompting-Kompetenz funktionieren: mit hinterlegten Rollen, fachlich geprüften Wissensbeständen, vorbereiteten Bausteinen und gezielten Rückfragen. Auch hier sollte sich das Werkzeug öffnen lassen, sobald die Souveränität wächst. Der europäische Referenzrahmen für die Digitalkompetenz Lehrender (Redecker, 2017) beschreibt dieselbe Bewegung von der Anwendung vorbereiteter Ressourcen zu deren eigenständiger Gestaltung.

Vier Fragen zur Planung eines KI-Einsatzes

Mit den vier Fragen wird eine einzelne Unterrichtssituation geplant und die Stufe gewählt. Mit dem SKILL-Check darunter wird ein einzelnes Werkzeug beurteilt, mit der Übersicht danach werden die Schülerinnen und Schüler eingeschätzt. Zusammen ergeben die drei eine Entscheidung.

  1. Leistet KI hier etwas, das ich mit Material, Gespräch und eigenem Probieren nicht erreiche? Wenn nein, kein KI-Einsatz.
  2. Was sollen die Kinder lernen, und ist das die Tätigkeit, die ich der KI überlassen würde? Wenn ja, braucht der Lösungsprozess Leitplanken. Wenn nein, darf die KI die Tätigkeit übernehmen. Für Kinder mit Beeinträchtigungen wird die KI dann vom Lernwerkzeug zum Mittel der Teilhabe, etwa als Vorlesefunktion beim Lernziel Textverständnis; hier ist Fading nicht das Ziel, die Unterstützung darf bleiben.
  3. Wie sicher sind die Lernenden in der Sache, im Prüfen von KI-Antworten und in der Selbststeuerung? Je unsicherer, desto eher Stufe 1: KI in einer Lernanwendung mit fester Rolle, oder ein offener Chatbot, den ich selbst intensiv vor- und nachbereite und im Raum begleite. Mittlere Sicherheit: Stufe 2 mit klarem Auftrag und Begleitung. Erst bei hoher Sicherheit Stufe 3. Werkzeuglenkung und meine Begleitung müssen zusammen zur Kompetenz passen. Drei Anhaltspunkte: Findet die Person Fehler in einer KI-Antwort selbst? Fragt sie nach einem eigenen Versuch oder davor? Kann sie einschätzen, was ihr ohne KI wieder gelingen würde? Dreimal nein spricht für Stufe 1, dreimal ja für Stufe 3; die Übersicht am Ende führt die Indikatoren aus.
  4. Woran erkenne ich nachher, ob gelernt wurde? An einer Leistung ohne KI, an Erklärungen in eigenen Worten, am Transfer auf eine neue Aufgabe. Nicht an der Qualität des Produkts, das mit KI entstanden ist.

Beispiel: Sachaufgaben in Klasse 4

Klasse 4, Sachaufgaben. Ein Kind liest langsam und bleibt oft schon am Text hängen. Frage 1: Material und Gespräch helfen beim Rechnen, aber nicht bei der Textmenge; eine KI, die den Text vorliest und nach dem Gesuchten fragt, leistet hier etwas Eigenes. Frage 2: Gelernt werden soll das Modellieren, nicht das Lesen; das Vorlesen darf die KI übernehmen und dauerhaft behalten, den Lösungsweg nicht. Frage 3: Das Kind hält KI-Antworten für richtig und fragt lieber, als selbst anzufangen; also Stufe 1, ein eingebetteter Tutor mit Vorlesefunktion und gesperrtem Endergebnis, dazu die Lehrkraft, die die Rückmeldungen im Gespräch aufgreift. Frage 4: Nach zwei Wochen erklärt das Kind eine neue Aufgabe ohne KI in eigenen Worten; ob der Lösungsweg verstanden ist, zeigt sich daran, nicht an den gelösten Aufgaben in der App. Bleibt die Wahl des Werkzeugs: Der SKILL-Check an der App fragt, ob die Hinweise gestuft sind und zurückgenommen werden (S), ob das Kind vor jedem Hinweis einen eigenen Ansatz eintragen muss (K), ob die Lehrkraft in einer Klassenansicht sieht, wer wie viele Hinweise abruft (I), ob falsche Wege erfragt statt sofort korrigiert werden (L) und ob sich die Vorlesefunktion unabhängig von den übrigen Hilfen steuern lässt, damit sie als Teilhabemittel bleiben kann, während die Hinweise zum Lösungsweg zurückgenommen werden (L). In der Übersicht am Ende steht das Kind bei allen Indikatoren auf Stufe 1; die Zuordnung wird nach zwei Wochen an denselben Indikatoren erneut geprüft.

SKILL-Check: fünf Prüffragen

Die fünf Buchstaben stehen für fünf Fragen, mit denen sich ein KI-gestütztes Lernwerkzeug oder eine Einsatzform in wenigen Minuten prüfen lässt. Der Check bewertet die didaktische Qualität eines Werkzeugs; nur die Belastbarkeit der Leitplanken prüft er mit, weil sie entscheidet, ob ein Werkzeug für Stufe 1 geeignet ist. Wie hoch der Lenkungsgrad insgesamt ist, ergibt sich aus den drei Hebeln (Abschnitt „Begriffsklärung“). Die Buchstaben des Checks und die Namen der Hebel sind nicht deckungsgleich: S greift auf das Scaffolding zurück, I auf die Kontextualisierung, L auf die Leitplanken; K (Kognitive Aktivierung) hat bei den Hebeln keine Entsprechung und stammt aus dem ICAP-Modell.

  • S – 足場: Sind die Hilfen gestuft und kontingent, greifen sie also erst nach einem eigenen Versuch und nur in dem Umfang, den der aktuelle Stand erfordert? Ist vorgesehen, wie und woran erkennbar sie zurückgenommen werden?
  • K – 認知活性化: Müssen die Lernenden selbst denken, entscheiden und handeln, bevor die KI etwas beiträgt? Oder reicht es, zu lesen und zu übernehmen? Nach dem ICAP-Modell (Chi & Wylie, 2014) ist zu prüfen, ob die Tätigkeit der Lernenden nach dem KI-Einsatz noch konstruktiv oder interaktiv ist oder auf passives Aufnehmen zurückfällt.
  • I – 統合: Ist der Einsatz an ein Lernziel und eine gehaltvolle Aufgabe gebunden, und behält die Lehrkraft Einblick in den Bearbeitungsprozess?
  • L – Leitplanken und Lernprozess: Wo sind die Grenzen verankert: außerhalb des Dialogs, etwa als Freigabe des Endergebnisses erst nach einem eigenen Versuch, oder allein in einer Rolle im Systemprompt oder einem Lernmodus? Nur im ersten Fall reichen sie für Stufe 1. Bleiben Fehler als Lerngelegenheit erhalten, und werden Planen, Überwachen und Bewerten angeregt statt übersprungen?
  • L – 長期的な開発: Wächst mit dem Werkzeug die Selbststeuerung der Lernenden, oder wächst die Abhängigkeit vom Werkzeug?

Ein Werkzeug, das auf mehrere dieser Fragen keine gute Antwort hat, kann in Stufe 3 für kompetente Nutzerinnen und Nutzer trotzdem sinnvoll sein. Für Anfängerinnen und Anfänger ist es ungeeignet.

Übersicht: Indikatoren und Einsatzszenarien je Stufe

Die folgende Übersicht ist eine Planungshilfe, kein Diagnoseinstrument: Ihre Stufenzuordnung beruht auf theoretischer Ableitung und ist empirisch nicht validiert; sie ersetzt weder die fachliche Einschätzung der Lehrkraft noch eine Prüfung des Lernens ohne KI. Dasselbe gilt für das Handout. Die Übersicht fasst für Lehrkräfte zusammen, woran sich die Stufen bei den Lernenden erkennen lassen, welche Einsatzszenarien passen, wie viel Begleitung nötig ist und woran Fortschritt sichtbar wird. Die Spalte „Woran Fortschritt erkennbar ist“ nennt ausschließlich beobachtbares Verhalten. Ob gelernt wurde, wird getrennt und ohne KI geprüft (vierte Planungsfrage); stützte sich die Stufenzuordnung darauf, setzte sie voraus, was sie erklären soll. Die Übersicht steht auch als Handout (PDF, zwei Seiten A4 quer) zum Ausdrucken bereit.

Stufe des EinsatzesIndikatoren bei den Schülerinnen und SchülernPassende EinsatzszenarienBegleitung durch die LehrkraftWoran Fortschritt erkennbar ist
1.組み込み
geringe Kompetenz
Kann fachliche Richtigkeit kaum beurteilen; hält KI-Antworten für zuverlässig; übernimmt Antworten und hält die eigene Lösung meist für besser, als sie ist, auch wenn es im Einzelfall merkt, welche Antworten unsicher sind; längere Antworten überfordern. Typisch bei neuem Thema und geringem Vorwissen. Nur in wenigen, klar umrissenen Situationen. Wenn KI: Tutor in einer Lernanwendung mit hinterlegter Aufgabe; gestufte Hinweise statt Lösungen; Ergebnis gesperrt bis zum eigenen Versuch. Freiarbeit und Üben zu Hause nur mit eingebettetem Werkzeug. Offener Chatbot nur im Plenum oder in Kleingruppen mit Lehrkraft im Gespräch. Eingebettetes Werkzeug: einführen, beobachten, aufgreifen; das vom Werkzeug übernommene Monitoring zum Thema machen (vorher einschätzen, mit dem Ergebnis vergleichen, den eigenen Weg ohne KI erklären). Offener Chatbot: intensiv, gemeinsam vorbereiten, Anweisung an die KI selbst stellen, im Raum bleiben, eingreifen, ohne KI nachbereiten. Löst nach einem Hinweis selbst weiter; fragt nach einem eigenen Versuch statt vor ihm; erklärt den eigenen Weg in eigenen Worten; erkennt unpassende Hinweise.
2.同伴
mittlere Kompetenz
Erkennt grobe Fehler und prüft Teilergebnisse; kennt Grenzen der KI; stellt eigene Fragen, gibt Kontext aber noch nicht gezielt vor; schätzt nach der Bearbeitung realistisch ein, was ohne KI wieder gelingen würde. Offenes Werkzeug mit vorbereiteter Rolle und klarem Auftrag; zwei KI-Lösungswege vergleichen und begründet auswählen; KI-Erklärungen auf Fehler prüfen; KI-Rückmeldung zum eigenen Entwurf einholen und überarbeiten. Mittel: Auftrag und Rolle bereitstellen, Stichproben, Ergebnisse ohne KI erklären lassen, Nutzung gemeinsam reflektieren. Findet Fehler in KI-Antworten selbst; gibt Kontext und Ziel vor; begründet, wann KI sinnvoll war und wann nicht.
3.開く
hohe Kompetenz
Durchschaut auch plausible Fehler; prüft systematisch an Quellen; plant, überwacht und bewertet den Einsatz selbst; erkennt die eigene Verstehensgrenze, bevor sie sich in einer Aufgabe zeigt. Frei genutzter Chatbot als Denkpartner: Gegenargumente einholen, Entwürfe kritisieren lassen, Recherche mit Quellenprüfung, eigene Rollen gestalten. Eingebettete Struktur stört nur, wenn sie Bekanntes redundant wiederholt oder nicht abschaltbar ist. Gering: Transparenzregeln, gelegentliche Reflexion, Lernen weiterhin ohne KI prüfen. Nutzt KI gezielt und begründet; wechselt bei einem neuen Fachgebiet von sich aus in eine engere Stufe zurück; erkennt selbst, wenn die KI zur Abkürzung geworden ist.

Die Indikatoren beschreiben beobachtbares Verhalten, keine Altersgruppen. Die Entwicklungsbefunde setzen ihnen aber einen Erwartungskorridor: Das vorausschauende Einschätzen des eigenen Lernstands, das Stufe 3 verlangt, verbesserte sich im Grundschulalter über ein Jahr hinweg nicht (Bayard et al., 2021); für die anschließende Entwicklung liegt nur indirekte Evidenz vor, denn die Passung von rückblickender Sicherheit und Leistung nimmt in einer Wahrnehmungsaufgabe bis ins späte Jugendalter zu (Weil et al., 2013), und metakognitive Genauigkeit ist zwischen Domänen nur teilweise gekoppelt: In einer Übersichtsarbeit mit eingebetteter Metaanalyse über 19 Experimente fanden Rouault et al. (2018) einen mittleren domänenübergreifenden Zusammenhang, deutlich über Sinnesmodalitäten hinweg, zwischen Wahrnehmung und Gedächtnis dagegen nicht signifikant, was sie selbst auf begrenzte Teststärke zurückführen; mit einem hierarchisch-bayesianischen Verfahren zeigen Mazancieux et al. (2020) inzwischen auch dort Zusammenhänge. Die Übertragung des an einer Wahrnehmungsaufgabe gewonnenen Verlaufs auf fachliches Monitoring ist damit plausibler, als der ältere Nullbefund nahelegte, bleibt aber ungeprüft. Stufe 3 ist im Grundschulalter deshalb praktisch nicht zu erwarten, auch bei hohem Fachwissen; umgekehrt sagt ein höheres Alter für sich genommen nichts über die Stufe.

Folgerungen für die Entwicklung von Lernanwendungen

Für die Konzeption von Lernanwendungen dient der Ordnungsrahmen dazu, eine Anwendung zu verorten. Sie wird zwischen eingebetteter KI und offenem Chatbot positioniert, ausgehend von der Zielgruppe und ihrer erwartbaren Kompetenz. Daraus folgen konkrete Entscheidungen: Wie viel Fachkontext ist hinterlegt, welche Ausgaben sind gesperrt, wann und wie wird Hilfe gestuft, wie wird Fading umgesetzt, welche Daten sieht die Lehrkraft. Vier Gestaltungsprinzipien, die sich aus den hier referierten Befunden ableiten lassen (fachdidaktische Fundierung der Rückmeldungen, Dosierung nach dem Prinzip „erst du, dann ich“, eigene Tätigkeit vor der KI-Ausgabe und Verzahnung mit dem umgebenden Lernarrangement), führt ein eigener Beitrag aus. Geprüft sind sie nicht.

Grenzen und offene Fragen

Das SKILL-Modell ist ein Ordnungsrahmen, kein empirisch geprüftes Wirkmodell. Seine drei Stufen vereinfachen bewusst: Kompetenz und Lenkung sind stetige Größen, die Übergänge fließend, und die Teilkompetenzen entwickeln sich nicht im Gleichschritt. Fünf Fragen bleiben offen. Die Diagnose: Wie lässt sich die lernbezogene KI-Kompetenz einer Person ökonomisch erfassen, sodass die Stufenzuordnung nicht auf Vermutungen beruht? Das Fading: Wann und in welchen Schritten sollte Lenkung zurückgenommen werden, und woran erkennt ein Werkzeug diesen Zeitpunkt? Die genannte Fehlregulation der Hilfesuche (Aleven et al., 2016; Darvishi et al., 2024) zeigt, dass adaptive Regeln dafür erst in Ansätzen erprobt sind.

Die Verrechnung: Dass generative KI stärker wirkt, wenn sie den Unterricht ergänzt, statt die Lehrkraft zu ersetzen, ist als Moderator zwischen Studien metaanalytisch dokumentiert (Strohmaier et al., 2026, vierte Fassung); ein randomisierter Vergleich innerhalb einer Studie liegt nicht vor, und der Kontrast vermengt die Begleitung mit dem Umfang des Unterrichts insgesamt. Ob sich Werkzeuglenkung und Begleitung in den vom Modell angenommenen Kombinationen gegeneinander aufrechnen lassen, also viel Werkzeuglenkung mit wenig Begleitung gegenüber wenig Werkzeuglenkung mit viel Begleitung, ist nicht untersucht.

Die Übertragbarkeit: Die meisten belastbaren Studien stammen aus der Sekundarstufe und der Hochschule. Für die Grundschule liegen erste kontrollierte Untersuchungen vor, etwa zu einer KI-gestützten Sachrechenumgebung (Liu et al., 2025) und zum Vergleich von Chatbot- und lehrkraftgeleitetem Lesen (Zhou et al., 2026), doch messen sie die Leistung bei verfügbarer Unterstützung und unmittelbar nach der Intervention. Studien, die im Grundschulalter verzögert und ohne KI prüfen oder Lenkungsgrade gegeneinanderstellen, fehlen.

Die Richtung: Das Modell nimmt an, dass mit wachsender lernbezogener KI-Kompetenz weniger Lenkung nötig wird. Fernandes et al. (2026) berichten dagegen für Erwachsene, dass die Leistung unter KI-Nutzung steigt, während sich die metakognitive Genauigkeit von ihr entkoppelt, und dass höhere selbstberichtete KI-Kompetenz mit geringerer, nicht höherer metakognitiver Genauigkeit einhergeht. Trifft das zu, ist der Zusammenhang zwischen Werkzeugroutine und Urteilsfähigkeit nicht monoton, und die kritische KI-Kompetenz muss am Prüfverhalten gemessen werden, nicht an Erfahrung oder Selbsteinschätzung. Der Befund ist korrelativ und an Erwachsenen erhoben; er gehört gleichwohl in das Prüfprogramm der Grundannahme.

Ob sich Lenkungsgrade in Lernergebnisse übersetzen, ist zudem offen. Fütterer et al. (2026) verglichen in einem randomisierten Feldversuch mit 371 Lernenden der Klassen 7 bis 9 zwei KI-gestützte Interventionen zur Selbstregulation, eine motivationale und eine strategiebezogene, mit Standard-ChatGPT über sechs Unterrichtsstunden. Für Wissenszuwachs, Anstrengung und Strategienutzung fand sich kein Vorteil gegenüber der Kontrollbedingung; die motivationale Variante entwickelte den wahrgenommenen Nutzen lediglich günstiger als die strategiebezogene, nicht günstiger als Standard-ChatGPT. Geprüft wurden dort vorgeschaltete Lernstrategie-Prompts, nach der hier vorgeschlagenen Ordnung durchweg Varianten der Stufe 2, und nicht der Kontrast zwischen anwendungsseitigen Leitplanken und offener Nutzung. Ein direkter Test der Modellannahme steht damit aus; das Ergebnis mahnt aber, dass didaktische Zusätze nicht von sich aus wirken. Dieselbe Mahnung enthält der Nullbefund von Bassner et al. (2026) im KI-freien Wissenstest (Abschnitt „Begriffsklärung“). Auch die Gerechtigkeitserwartung aus dem Abschnitt „Folgerungen für KI im Unterricht“ bleibt aus diesem Grund ungeprüft.

Für die Forschung: die Grundannahme als prüfbare Hypothese

Der folgende Abschnitt richtet sich an Forschende; für die Unterrichtsplanung ist er entbehrlich. Vorab ist festzulegen, was als nicht-kontingente Lenkung gilt: Lenkung, die unabhängig vom Bearbeitungsstand ausgelöst wird, etwa eine feste Hinweisreihenfolge, nicht abschaltbare Zwischenschritte oder eine vorgegebene Aufgabengliederung.

Die Grundannahme lautet: Je geringer die lernbezogene KI-Kompetenz, desto größer der Vorteil eines stark gelenkten gegenüber einem offenen Werkzeug in einem verzögerten Test ohne KI; erwartet wird ein Vorteil von mindestens d = 0,30 für Personen, die eine Standardabweichung unterhalb des Kompetenzmittels liegen. Die Schwelle lässt sich nicht aus den vorliegenden Metaanalysen ableiten, deren Schätzungen (Belland et al., 2017: g = 0,46; Lazonder & Harmsen, 2016: d = 0,50) gegebene Unterstützung betreffen, während der vorhergesagte Kontrast wesentlich auf Leitplanken und Kontextualisierung beruht. Sie ist als Relevanzschwelle zu verstehen: d = 0,30 markiert die Größe, ab der ein bedingter Vorteil eine Werkzeugentscheidung im Unterricht rechtfertigen würde.

Gegen die vorliegende Evidenz ist sie ambitioniert. Von den beiden Studien, die den Kontrast im KI-freien Maß bislang prüfen, findet nur Bastani et al. (2025) einen Vorteil der gelenkten gegenüber der offenen Variante, dort hielt die gelenkte Bedingung das Kontrollniveau, während die offene 17 Prozent darunter lag; Bassner et al. (2026) finden keinen. Gegenüber dem Üben ohne KI zeigt in beiden Studien auch die gelenkte Variante keinen Vorteil, und beide messen unmittelbar, nicht verzögert. Die Schwelle ist vor der Erhebung zu fixieren. Bei hoher Kompetenz soll nicht-kontingente Lenkung keinen Vorteil oder einen Nachteil zeigen. Für kontingente Lenkung macht das Modell keine gesonderte Vorhersage: Weil Kontingenz hier bedeutet, dass Hilfe nur nach Bedarf und nur im nötigen Umfang greift, wäre ein ausbleibender Nachteil eine Folge der Begriffsbestimmung, kein Befund. Prüfbar ist allein, ob die als kontingent implementierte Bedingung im Manipulationscheck tatsächlich bedarfsabhängig auslöste; misslingt das, gilt sie als nicht-kontingent.

Formal ist dies eine Wechselwirkung von Personenmerkmal und Instruktionsform, in der Tradition der Forschung zu Aptitude-Treatment-Interaktionen (Cronbach & Snow, 1977); der Expertise-Umkehr-Effekt ist ihr am besten belegter Vertreter. Diese Tradition mahnt zur Vorsicht: Interaktionseffekte fallen kleiner aus als Haupteffekte, verlangen größere Stichproben und replizieren häufig nicht, wenn das Personenmerkmal unscharf gemessen ist. Die Grundannahme ist deshalb nur so belastbar wie das Maß der lernbezogenen KI-Kompetenz, das sie voraussetzt.

Die folgenden Kriterien setzen zudem eine Präzision voraus, die ein einzelner Feldversuch mit Randomisierung auf Klassenebene kaum erreicht: Der Ausschluss einer Wechselwirkung von |Δd| = 0,20 verlangt ein Vielfaches der Fallzahl, die für ihren Nachweis nötig wäre. Die Prüfung ist deshalb gestuft anzulegen: Eine erste Studie prüft konfirmatorisch nur den bedingten Vorteil starker Lenkung im unteren Kompetenzbereich; der Ausschluss der Moderation insgesamt bleibt einer Mehrstandortstudie oder einer prospektiven Metaanalyse vorbehalten. Bis dahin gilt die Grundannahme als ungeprüft, nicht als bestätigt.

Als widerlegt gilt die Annahme in vier Fällen: wenn ein Äquivalenztest für die Differenz der bedingten Effekte bei einer Standardabweichung unter und über dem Kompetenzmittel gegen die Grenze |Δd| = 0,20 signifikant ausfällt, Lenkung also unabhängig von der Kompetenz wirkt; wenn für den unteren Kompetenzbereich (eine Standardabweichung unter dem Mittel) die obere Grenze des 95-Prozent-Konfidenzintervalls für den Vorteil starker Lenkung unter d = 0,30 liegt, wobei dieses Kriterium nicht die Richtungsaussage widerlegt, sondern ihre praktische Relevanz, denn ein kleinerer gleichgerichteter Effekt bliebe möglich, rechtfertigte aber keine Werkzeugentscheidung im Unterricht; wenn sich bei hoher Kompetenz ein Vorteil auch für nicht-kontingente Lenkung zeigt, dessen Konfidenzintervall die Null ausschließt; oder wenn die Wechselwirkung das entgegengesetzte Vorzeichen hat, der Vorteil starker Lenkung bei hoher Kompetenz also den bei geringer Kompetenz übersteigt und das Konfidenzintervall dieser Differenz die Null ausschließt. Nicht signifikante Befunde ohne diese Präzision gelten als unentschieden, nicht als Widerlegung. Die Zuordnung einer Bedingung zu kontingent oder nicht-kontingent wird vor der Datenerhebung festgeschrieben.

Ein Design dafür präregistriert Hypothesen, Auswertungsplan und Abbruchregeln. Es erhebt die vier Teilkompetenzen vor der Intervention und verdichtet sie nach einer vorab festgelegten Regel zu einem kontinuierlichen Moderator auf Personenebene.

Als erste konfirmatorische Spezifikation wird der gleichgewichtete Summenwert aus standardisierten Teilwerten vorab festgelegt, weil er der messgenaueste Kandidat ist. Weil die Praxisempfehlungen dieses Beitrags jedoch auf der Minimum-Regel aus dem Abschnitt „Teilkompetenzen“ beruhen, wird diese als gleichrangige zweite konfirmatorische Hypothese mit eigener Alpha-Korrektur geführt; bleibt sie unbestätigt, während sich der Summenwert bestätigt, sind Übersicht und Handout auf eine kompensatorische Zuordnung umzustellen. Die Minimum-Regel ist messtheoretisch anspruchsvoller, weil das Minimum aus vier fehlerbehafteten Werten nach unten verzerrt und weniger reliabel ist als jedes Einzelmaß. Das wiegt schwer, weil im Grundschulalter zwar die Monitoring-Urteile selbst intern konsistent ausfallen, die personenbezogenen Genauigkeitsmaße dagegen gering reliabel sind und über sechs Monate erheblich schwanken (Roebers et al., 2021), und weil sich Monitoring und Kontrolle dort besser durch qualitativ unterschiedliche Profile als durch eine einzige Ausprägungsdimension beschreiben lassen; in Klasse 4 bleiben schwache Profile über ein Jahr hinweg stabil, in Klasse 2 nicht (van Loon & Roebers, 2024). Die Teilkompetenzen sind deshalb mit mehreren Indikatoren zu erheben, und ihre Reliabilität ist vor der konfirmatorischen Analyse zu berichten; andernfalls ist ein ausbleibender Interaktionseffekt nicht von Messfehlerdämpfung zu unterscheiden.

Die vier Teilkompetenzen als getrennte Moderatoren dienen als Robustheitsprüfung. Zeigt sich der erwartete Interaktionsterm unter keiner der vorab benannten Regeln, gilt die Grundannahme als nicht gestützt; zeigt er sich nur unter einzelnen, bleibt offen, ob es an der Bezugsgröße oder an der Annahme liegt, und die Frage ist in einer eigenen Studie mit unabhängig validiertem Kompetenzmaß zu entscheiden.

Randomisiert wird auf Klassenebene, um Übertragungseffekte zu vermeiden. Verglichen werden bei gleicher Aufgabe und gleicher Zeit vier Bedingungen desselben Modells, die gestufte Hinweise (ja/nein) und eine Sperre des Endergebnisses (ja/nein) kreuzen, ergänzt um einen fünften Arm: Üben ohne KI. Erst diese Kreuzung trennt, was das Bündel bei Bastani et al. (2025) vermischt, nämlich den Beitrag der gestuften Hilfe vom Beitrag der Leitplanke.

Weil alle vier Zellen dieselbe hinterlegte Aufgabe und Rolle teilen, halten sie den dritten Hebel konstant; die Grundannahme in ihrer Fassung „stark gelenkt gegenüber offen“ verlangt deshalb einen sechsten Arm mit einem nicht kontextualisierten, frei zugänglichen Modell bei identischer Aufgabe und Zeit. Dieser Arm ist an die rechtlichen Voraussetzungen gebunden und im Grundschulalter nur über einen von der Lehrkraft geführten Zugang darstellbar; das vollständige Design ist deshalb primär in der Sekundarstufe zu realisieren. Der KI-freie Arm ist unverzichtbar, weil sich in bisherigen Feldversuchen die stark gelenkte Variante der Kontrollgruppe ohne KI nur anglich (Bastani et al., 2025); ohne ihn bliebe die Vorfrage des Modells ungeprüft.

Gemessen wird eine und vier Wochen später ohne KI, ergänzt um eine Transferaufgabe, eine mündliche Erklärung des eigenen Wegs und die Streuung der Ergebnisse als eigene Zielgröße.

Die Fallzahl folgt aus einer Poweranalyse für diese Wechselwirkung zwischen Klassen- und Personenebene; maßgeblich sind neben der Zahl der Klassen die Zahl der Lernenden je Klasse und die Streuung des Kompetenzmaßes innerhalb der Klassen; für einen bedingten Effekt von d = 0,30 ist mit einer dreistelligen Zahl von Klassen zu rechnen. Lässt sich diese nicht erreichen, ist die Kreuzung auf den zentralen Kontrast (starke Lenkung gegenüber offen, plus KI-freier Arm) zu reduzieren und die Hebelzerlegung in einer eigenen Studie zu prüfen. Ein Manipulationscheck prüft an den Dialogprotokollen, ob die Leitplanken gehalten haben; Prozessdaten wie die Zeit bis zur ersten Hilfeanfrage und eigene Lösungsversuche davor dienen als vermittelnde Größen.

Zwei weitere Annahmen lassen sich prüfen. Die Verrechnungsannahme verlangt ein Design, das Werkzeuglenkung (eingebettet gegenüber offen) und Begleitung (intensiv gegenüber gering) kreuzt und für die beiden gemischten Zellen vergleichbare Ergebnisse vorhersagt. Das Verhältnis der Hebel verlangt, Kontextualisierung und Leitplanken faktoriell zu kreuzen; die Modellannahme lautet hier nicht Additivität, sondern Wechselwirkung: Leitplanken ohne Einbettung auf Anwendungsebene sollten schwächer wirken als dieselben Leitplanken mit Einbettung, weil sie im Dialog aushebelbar bleiben. Lässt sich die Zelle „Leitplanken ohne Kontextualisierung“ nicht herstellen, ist die Zerlegung in drei Hebel für die Praxis auf zwei zusammenzuführen. Ein solches Design wird im Projekt プリマキ vorbereitet, das KI-gestützte Lernbegleitung im Mathematikunterricht der Grundschule erprobt.

Weitere Grenzen: Die Beispielbasis beruht überwiegend auf Mathematik, Programmieren und Schreiben; ob der Zusammenhang von Kompetenz und Lenkung in stärker interpretativen oder gestalterischen Fächern gleich verläuft, ist offen. Die zitierten Befunde sind an bestimmte Modellgenerationen gebunden; verändern sich Fähigkeiten und Antwortstile generativer Modelle, können sich die Effekte verschieben. Und das Modell klammert Kriterien aus, die in der Praxis mitentscheiden: Datenschutz, Kosten, Verfügbarkeit und rechtliche Vorgaben.

結論

Wer entscheiden muss, ob und wie KI in einer Stunde vorkommt, geht die vier Planungsfragen durch, prüft das Werkzeug mit dem SKILL-Check und ordnet die Lernenden mit der Übersicht einer Stufe zu. Die Lenkung wird zurückgenommen, wenn die Lernenden zeigen, dass sie ohne sie weiterkommen, und nicht, wenn das Werkzeug es erlaubt. Ob das Modell hält, entscheidet die im Abschnitt zu den Grenzen skizzierte Prüfung.

よくある質問

Was ist das SKILL-Modell?

Ein Ordnungsrahmen für den Einsatz von KI beim Lernen in Schule und Unterricht. Grundregel: Je geringer die Kompetenz einer Person, KI in einer konkreten Sache lernwirksam zu nutzen, desto mehr didaktische Lenkung braucht der Einsatz, aus dem Werkzeug oder durch die Lehrkraft. Mit wachsender Kompetenz wird die Lenkung zurückgenommen. SKILL steht zugleich als Akronym für die fünf Prüffragen des SKILL-Checks.

Sollte KI in der Grundschule eingesetzt werden?

Zurückhaltend und begrenzt. Das Modell empfiehlt keinen KI-Einsatz; es ordnet ihn, wenn er sinnvoll ist. In der Grundschule entstehen die Grundlagen, an denen sich später jede KI-Antwort messen muss; die Selbsteinschätzung des eigenen Verstehens und das Prüfen fremder Aussagen sind noch in der Entwicklung. Wenn KI, dann eingebettet in eine Lernanwendung mit fester Rolle oder intensiv durch die Lehrkraft begleitet, und nur dort, wo sie etwas leistet, das Material, Gespräch und eigenes Probieren nicht leisten.

Warum kann ein Chatbot beim Lernen schaden?

Weil er den Lösungsprozess überspringen kann. In einem Feldexperiment mit knapp tausend Schülerinnen und Schülern stieg die Leistung beim Üben mit freiem Chatbot-Zugang; in der Prüfung ohne KI lag dieselbe Gruppe dann um 17 Prozent unter dem Leistungsniveau der Kontrollgruppe, nicht 17 Prozentpunkte (Bastani et al., 2025). Leistung mit KI ist nicht dasselbe wie Lernen. Eine Variante mit didaktischen Leitplanken, die Hinweise statt Lösungen gibt, erreichte in der Prüfung wieder das Niveau der Gruppe ohne KI.

Reichen die Lernmodi von ChatGPT oder Gemini?

Sie verschieben das Verhalten in die gewünschte Richtung, garantieren die Grenzen aber nicht: Sprachmodelle geben Lösungen preis, wenn Lernende drängen oder das Thema wechseln (Zhao et al., 2026), und ein Lernmodus lässt sich abschalten. Für Stufe 2 reicht er, für Stufe 1 nicht; dort müssen die Grenzen außerhalb des Dialogs liegen, oder die Lehrkraft führt den Dialog selbst.

Was bedeutet didaktische Lenkung?

Alles, was den Handlungsspielraum der Lernenden im Sinne des Lernziels formt. Bei KI-Werkzeugen wirkt sie über drei Hebel: Scaffolding (gestufte Hilfe, die zurückgenommen wird), Leitplanken (was die KI nicht tut, etwa Lösungen vorwegnehmen) und Kontextualisierung (Aufgabe, Fachkontext und Rolle sind hinterlegt). Dazu kommt die personelle Begleitung durch die Lehrkraft.

Wie beurteile ich als Lehrkraft ein KI-Werkzeug?

Mit dem SKILL-Check: Sind die Hilfen gestuft und werden sie zurückgenommen? Müssen die Schülerinnen und Schüler vor der KI-Ausgabe selbst denken? Ist der Einsatz an ein Lernziel gebunden, und behalte ich Einblick? Bleiben Fehler als Lerngelegenheit erhalten? Wächst die Selbststeuerung oder die Abhängigkeit? Ob im Unterricht überhaupt KI zum Einsatz kommt und auf welcher Stufe, klären davor die vier Planungsfragen.

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